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Pilz

Lagerschorf (Venturia inaequalis)

Venturia inaequalis
VENTIN

Der Apfelschorf, verursacht durch den Pilz Venturia inaequalis (EPPO-Code: VENTIN), ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten im weltweiten Apfelanbau. Die Krankheit befällt Blätter, Blüten, Früchte und Triebe und kann bei starkem Befall zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen. Betroffene Früchte sind oft deformiert, rissig und für den Frischmarkt unverkäuflich.

Neben dem Apfel (Malus domestica) kann der Erreger auch andere Wirtspflanzen wie den Feuerdorn (Pyracantha) oder die Japanische Mispel infizieren. Die Krankheit tritt besonders in gemäßigten Klimazonen mit feuchten Frühjahrsbedingungen auf, wie sie in Mittel- und Westeuropa typisch sind. Ein unzureichendes Management von Venturia inaequalis kann in nassen Jahren zu Totalausfällen in unbehandelten Anlagen führen.

Typ
Pilz
EPPO-Code
VENTIN
Wirte
1 Kultur
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Venturia inaequalis ist weltweit in allen Apfelanbaugebieten verbreitet und verursacht vor allem in Regionen mit feuchtem Frühjahrsklima massive wirtschaftliche Schäden durch Qualitäts- und Ertragsverluste.
Erstbeschreibung
G. Winter, 1875

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert hauptsächlich in Form von Pseudothecien (Fruchtkörpern) im abgefallenen Laub auf dem Boden. Im Frühjahr reifen darin die Ascosporen heran, die bei Regenereignissen aktiv ausgeschleudert werden und mit dem Wind auf die jungen, austreibenden Pflanzenteile gelangen, wo sie die Primärinfektion auslösen. Für eine erfolgreiche Keimung und Infektion benötigen die Sporen eine bestimmte Dauer an Blattnässe in Abhängigkeit von der Temperatur (Mills-Kurve). Nach der Inkubationszeit bilden sich auf den Läsionen Konidien, die durch Regen und Wind verbreitet werden und während der gesamten Vegetationsperiode für fortlaufende Sekundärinfektionen sorgen, bis im Herbst das infizierte Laub zu Boden fällt und sich der Zyklus schließt.

Bonitur

Das Monitoring beginnt bereits vor dem Knospenaufbruch (BBCH 01) durch die Erfassung des Ascosporenflugs mittels Sporenfallen und digitalen Prognosemodellen, die Temperatur und Blattnässe auswerten. Ab dem Mausohrstadium (BBCH 54) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) ist die Kultur besonders anfällig, weshalb die Bestände nach jedem kritischen Infektionsereignis auf erste olivgrüne Flecken an den Rosettenblättern kontrolliert werden müssen. Eine Schadschwelle existiert im erwerbsmäßigen Apfelanbau praktisch nicht; das Ziel ist die absolute Vermeidung von Primärinfektionen, um den späteren Befallsdruck durch Sekundärsporen auf die Früchte (bis BBCH 89) minimal zu halten.

Symptome

An den Blättern zeigen sich zunächst matte, olivgrüne bis braune, samtige Flecken, die später nekrotisch werden und bei starkem Befall zu vorzeitigem Blattfall führen. Auf den Früchten entstehen scharf abgegrenzte, dunkle, schorfartige Läsionen; das Gewebe verkorkt, reißt oft tief ein und die Früchte deformieren sich stark. An den Trieben (Triebschorf) können sich rindenartige Pusteln bilden. Im Lager kann sich zudem sogenannter Lagerschorf in Form von kleinen, schwarzen, punktförmigen Flecken entwickeln, die oft erst Wochen nach der Ernte sichtbar werden.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Venturia inaequalis erfordert eine integrierte Strategie. Zu den kulturtechnischen Maßnahmen gehört die Reduzierung des Infektionspotenzials durch das Entfernen, Häckseln oder die Förderung der Verrottung des Falllaubs im Herbst (z. B. durch Harnstoffapplikation). Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von antagonistischen Mikroorganismen oder Kupfer- und Schwefelpräparaten im ökologischen Anbau. Die chemische Kontrolle basiert auf präventiven und kurativen Fungizidapplikationen, die durch Prognosemodelle gesteuert werden. Um Resistenzbildungen zu vermeiden, ist ein striktes Resistenzmanagement nach FRAC-Richtlinien unerlässlich; Wirkstoffe aus unterschiedlichen Gruppen (z. B. SDHI, DMI, QoI, sowie multisite-Kontaktfungizide) müssen konsequent rotiert oder in Tankmischungen kombiniert werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Was ist Apfelschorf (Venturia inaequalis)?

Apfelschorf ist eine weltweit verbreitete, wirtschaftlich hochrelevante Pilzkrankheit, die durch den Erreger Venturia inaequalis verursacht wird und primär Blätter sowie Früchte von Apfelbäumen schädigt.

Welche Pflanzen werden von Venturia inaequalis befallen?

Der Hauptwirt ist der Kulturapfel (Malus domestica). Der Pilz kann jedoch auch Zieräpfel, Feuerdorn (Pyracantha) und die Japanische Mispel infizieren.

Wie erkenne ich Apfelschorf im Feld?

Typische Symptome sind matte, olivgrüne bis braune, samtige Flecken auf den Blättern sowie dunkle, verkorkte, schorfartige und oft tief rissige Läsionen auf den Früchten.

Wie lässt sich Apfelschorf effektiv bekämpfen?

Die Bekämpfung erfordert einen integrierten Ansatz: Beseitigung oder Förderung der Verrottung von Falllaub im Herbst, Anbau widerstandsfähiger Sorten sowie der gezielte, prognosegestützte Einsatz von Fungiziden unter strikter Beachtung des FRAC-Resistenzmanagements.