Thiopron
Thiopron ist ein hochformuliertes, flüssiges Pflanzenschutzmittel auf Basis von elementarem Schwefel (825 g/l), das sich als moderner Standard im integrierten und ökologischen Anbau etabliert hat. Durch die spezielle Suspensionskonzentrat-Formulierung (SC) zeichnet sich das Produkt im Vergleich zu herkömmlichen Netzschwefel-Präparaten durch eine hervorragende Haftung auf der Blattoberfläche, eine verbesserte Regenbeständigkeit und eine reduzierte Staubentwicklung bei der Handhabung aus.
Das Wirkungsspektrum konzentriert sich primär auf die vorbeugende Bekämpfung von Echten Mehltaupilzen (wie Erysiphe, Podosphaera und Sphaerotheca) sowie Lagerschorf (Venturia inaequalis). Es ist in einer Vielzahl von Kulturen zugelassen, darunter Getreide (wie Gerste, Weizen, Roggen), Sonderkulturen wie Hopfen, Beerenobst (Johannisbeere, Himbeere), Gemüse (Gurke, Melone) sowie im Forst.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Schwefel ist in die FRAC-Gruppe M02 (Multi-Site-Inhibitoren) eingestuft. Die Wirkung von Thiopron basiert auf der Bildung von Schwefeldampf, der in die Sporen und das Myzel der Pilze eindringt. Dort fungiert Schwefel als Elektronenakzeptor, der die Atmungskette in den Mitochondrien stört und lebenswichtige enzymatische Prozesse durch die Reaktion mit Thiolgruppen blockiert. Da dieser biochemische Eingriff an mehreren Stellen gleichzeitig erfolgt (Multi-Site-Wirkung), wird die Sporenkeimung und das Myzelwachstum der Schaderreger effektiv unterbunden. Für eine optimale Wirkung ist eine ausreichende Temperatur (idealerweise ab ca. 12–15 °C) erforderlich, da erst dann genügend Schwefelgase gebildet werden, um eine gute Gasphase-Wirkung im Pflanzenbestand zu erzielen.
Resistenzmanagement
Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC M02) weist Schwefel ein extrem geringes Risiko für die Entstehung von Resistenzen auf. Thiopron eignet sich daher hervorragend als Baustein im Antiresistenzmanagement. Durch den gezielten Wechsel oder die Tankmischung mit systemischen Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen kannst du deren Wirkungsdauer absichern und die Selektion resistenter Schaderreger-Biotypen in deinen Kulturen nachhaltig verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Thiopron zeigt eine gute Mischbarkeit mit vielen gängigen Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern. Bei Tankmischungen solltest du jedoch darauf achten, das Produkt nicht mit stark sauren oder stark alkalischen Partnern sowie mit ölhaltigen Präparaten zu kombinieren, da dies zu Phytotoxizität führen kann. Zwischen einer Behandlung mit Thiopron und dem Einsatz von mineralischen Ölen sollte ein Sicherheitsabstand von mindestens 14 Tagen eingehalten werden. Achte zudem auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge, um eine lückenlose Benetzung der Kulturen zu gewährleisten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Thiopron ist die standardmäßige persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu tragen, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse vorgegeben ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern und Nützlingen Behandlungen generell nicht in blühende Bestände oder an Orten mit aktivem Bienenflug durchführen; weiche vorzugsweise auf die Abendstunden aus. Um Einträge in Oberflächengewässer zu minimieren, sind Abdriften auf angrenzende Biotope und Gewässer durch den Einsatz abdriftmindernder Technik zu vermeiden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Roggen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 15–69 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Hopfen | Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | 31–87 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Erbse | Echter Mehltau (Erysiphe pisi) | 39–85 | 5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Rote Johannisbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 57–85 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Zucchini | Echter Mehltau (Erysiphe cichoracearum) | 13–87 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Wassermelone | Echter Mehltau (Erysiphe cichoracearum) | 13–87 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Zuckerrübe | Echter Mehltau (Erysiphe betae) | 39–49 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Echte Mehltaupilze | 16–59 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Eiche | Echter Mehltau (Microsphaera alphitoides) | 16–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weiße Johannisbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 57–85 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Moschus-Kürbis | Echter Mehltau (Erysiphe cichoracearum) | 13–87 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Melone | Echter Mehltau (Erysiphe cichoracearum) | 13–87 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Gerste | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 15–69 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Forstpflanzen | Echte Mehltaupilze | 10–91 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Himbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 57–85 | 5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Schwarze Johannisbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 57–85 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Weizen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 15–69 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Echter Mehltau (Erysiphe betae) | 39–49 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Hartweizen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 30–59 | 7.28 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gurke | Echter Mehltau (Erysiphe cichoracearum) | 13–87 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Stachelbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 57–85 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Wintertriticale | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 30–59 | 7.28 LITER_PER_HECTARE | — |
| Apfel | Lagerschorf (Venturia inaequalis), Echter Mehltau (Podosphaera leucotricha) | 52–75 | 7.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 30–59 | 7.28 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Ab welchen Temperaturen entfaltet Thiopron seine optimale Wirkung?
Thiopron wirkt am besten bei Temperaturen ab etwa 12 bis 15 °C, da erst dann eine ausreichende Gasphase des Schwefels entsteht. Bei kühlerem Wetter ist die Wirkung verlangsamt. Vermeide jedoch Anwendungen bei extremer Hitze (über 28 °C) und starker Sonneneinstrahlung, um Verbrennungen (Phytotoxizität) an den Blättern deiner Kulturen zu verhindern.
Warum ist die Flüssigformulierung von Thiopron vorteilhafter als klassischer Netzschwefel?
Die flüssige Formulierung (SC) von Thiopron bietet dir eine deutlich bessere Haftung auf der Blattoberfläche und ist extrem regenfest. Zudem staubt das Produkt beim Ansetzen der Spritzbrühe nicht, lässt sich leichter dosieren und hinterlässt weniger sichtbare Spritzflecken auf dem Erntegut als herkömmliche Pulverpräparate.
Kann ich Thiopron auch im ökologischen Landbau einsetzen?
Ja, da der Wirkstoff Schwefel natürlichen Ursprungs ist, ist Thiopron für den Einsatz im ökologischen Landbau zugelassen. Du solltest jedoch vor der Anwendung die aktuellen Vorgaben deines jeweiligen Anbauverbandes prüfen, um die Konformität mit deren spezifischen Richtlinien sicherzustellen.
Wie integriere ich Thiopron am besten in eine Spritzfolge zur Schorfbekämpfung?
Nutze Thiopron vor allem in den frühen BBCH-Stadien vorbeugend (protektiv). Durch die Kombination mit organischen Schorffungiziden kannst du die Wirkung absichern. Da Schwefel ein Kontaktwirkstoff ist, muss die Spritzbrühe vor dem Infektionsereignis (Regenperiode) auf dem Blatt angetrocknet sein, um den Schaderreger direkt beim Keimen zu stoppen.
Was muss ich bei der Kombination von Thiopron mit Blattdüngern beachten?
Thiopron ist mit vielen Blattdüngern mischbar. Vermeide jedoch Mischungen mit stark sauren Düngemitteln oder Produkten, die freie Öle enthalten. Führe im Zweifel vor der großflächigen Anwendung immer einen kleinen Mischbarkeits- und Verträglichkeitstest in einem separaten Gefäß oder an einzelnen Pflanzen durch.
Wie hilft mir Thiopron dabei, Resistenzen bei Echten Mehltaupilzen zu verhindern?
Da Schwefel als Multi-Site-Inhibitor (FRAC-Gruppe M02) an vielen verschiedenen Stellen im Stoffwechsel des Pilzes gleichzeitig angreift, ist eine Resistenzbildung extrem unwahrscheinlich. Wenn du Thiopron regelmäßig als Mischpartner oder im Wechsel mit systemischen Fungiziden einsetzt, schützt du diese gefährdeten Wirkstoffklassen aktiv vor Wirkungsverlusten.