Vivendi 100
Vivendi 100 ist ein hochselektives, systemisches Herbizid zur gezielten Bekämpfung schwer bekämpfbarer zweikeimblättriger Unkräuter in einer Vielzahl landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturen. Als flüssiges, wasserlösliches Konzentrat (SL) formuliert, zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Kulturverträglichkeit aus. Es wird vor allem in Kulturen wie Mais, Zucker- und Futterrüben, Winterraps sowie Erdbeeren und im Forstbereich eingesetzt, um hartnäckige Schaderreger effektiv zu regulieren.
Der Fokus der Wirkung liegt auf wirtschaftlich bedeutenden Problemunkräutern, insbesondere der Acker-Kratzdistel sowie verschiedenen Kamille-Arten wie der Acker-Hundskamille. Dank seiner systemischen Eigenschaften wird der Wirkstoff schnell von den Blättern aufgenommen und in der gesamten Pflanze bis in die Wurzelspitzen transportiert. Dies macht Vivendi 100 zu einem unverzichtbaren Baustein in der Unkrautbekämpfung, besonders wenn es um die nachhaltige Schwächung tiefwurzelnder Wurzelunkräuter geht.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Clopyralid gehört zur chemischen Gruppe der Pyridincarbonsäuren und ist im HRAC-System in die Gruppe 4 (synthetische Auxine) eingestuft. Clopyralid imitiert das natürliche Pflanzenwuchshormon Indol-3-essigsäure (Auxin). Nach der Aufnahme über das Laub verteilt sich der Wirkstoff systemisch sowohl akropetal als auch basipetal im Phloem und Xylem der Unkräuter und reichert sich besonders in den meristematischen Geweben der Spross- und Wurzelvegetationspunkte an. In den empfindlichen Schaderregern führt dies zu einer Überstimulation des hormonellen Systems. Die Folge ist ein unkontrolliertes, abnormales Wachstum (Epinastie), das sich durch charakteristische Verkrümmungen und Verdrehungen von Stängeln und Blättern äußert. Schließlich bricht das Leitgewebe der Unkräuter zusammen, was zu einem fortschreitenden Absterben der gesamten Pflanze inklusive des tiefreichenden Wurzelsystems führt.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, solltest du Vivendi 100 stets in ein integriertes Pflanzenschutzkonzept einbinden. Da Clopyralid der HRAC-Gruppe 4 angehört, ist es ratsam, dieses Pflanzenschutzmittel im Wechsel oder in Tankmischung mit Herbiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen einzusetzen. Achte zudem auf pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine ausgewogene Fruchtfolge, mechanische Unkrautbekämpfung und die Förderung der Konkurrenzkraft deiner Kulturen, um den Selektionsdruck auf einzelne Wirkstoffe dauerhaft zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Vivendi 100 weist eine gute Mischbarkeit mit vielen gängigen Herbiziden, Fungiziden und flüssigen Blattdüngern auf, die in den zugelassenen Kulturen Verwendung finden. Bei Tankmischungen solltest du jedoch stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab eine physikalische Mischprobe in einem kleinen Gefäß durchführen. Verwende ausreichend Wasser für eine gleichmäßige Benetzung und vermeide Applikationen bei extremer Hitze, starker Sonneneinstrahlung oder wenn die Kulturen unter Stress (z. B. durch Trockenheit oder Frost) stehen, um die Kulturverträglichkeit nicht zu gefährden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Vivendi 100 ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, unerlässlich, um den Anwenderschutz zu gewährleisten. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse vorgegeben ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern und anderen Nützlingen auf eine Anwendung in blühende Bestände oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, verzichten. Verlege die Behandlung bevorzugt in die Abendstunden, wenn der Bienenflug beendet ist. Achte zudem darauf, Abdrift auf benachbarte Gewässer und Nichtzielflächen strikt zu vermeiden, um aquatische Organismen und die umliegende Flora zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Mais | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Futterrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Winterraps | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Kamille-Arten, Acker-Kratzdistel, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 28T |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Zuckerrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Baumschulquartiere | Kamille-Arten, Acker-Kratzdistel, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Kamille-Arten, Acker-Kratzdistel, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ziergehölze | Kamille-Arten, Acker-Kratzdistel, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Bekämpfung der Acker-Kratzdistel mit Vivendi 100?
Der beste Behandlungszeitpunkt liegt vor, wenn die Acker-Kratzdistel eine Wuchshöhe von etwa 15 bis 20 cm erreicht hat und sich im aktiven Wachstum (Rosettenstadium bis kurz vor dem Schossen) befindet. In dieser Phase ist der Saftstrom in die Wurzeln besonders stark, was den Transport des Wirkstoffs Clopyralid bis in die Wurzelenden maximiert und einen nachhaltigen Bekämpfungserfolg sichert.
Kann ich Vivendi 100 auch bei kühlen Temperaturen im Frühjahr einsetzen?
Ja, eine Anwendung ist auch bei kühleren Temperaturen möglich, solange die Zielunkräuter aktiv wachsen. Da die Wirkung von Clopyralid auf dem pflanzlichen Stoffwechsel basiert, führt wärmeres und wüchsiges Wetter (über 10 °C) jedoch zu einer deutlich schnelleren Wirkstoffaufnahme und sichtbaren Symptomen an den Schaderregern.
Wie verhält sich Vivendi 100 bezüglich des Nachbaus von Folgekulturen?
Da Clopyralid im Boden biologisch abgebaut wird, ist der Nachbau der meisten landwirtschaftlichen Kulturen in der normalen Fruchtfolge unbedenklich. Bei sehr empfindlichen Nachfolgekulturen wie Leguminosen (z. B. Erbsen, Bohnen) oder bestimmten Gemüsekulturen solltest du jedoch die in der Gebrauchsanleitung angegebenen Wartezeiten und Bodenbearbeitungshinweise genau beachten, um eventuelle Wachstumshemmungen zu vermeiden.
Warum ist die systemische Wirkung bis in die Wurzel bei diesem Pflanzenschutzmittel so wichtig?
Viele hartnäckige Unkräuter wie die Acker-Kratzdistel können sich regenerieren und neu austreiben, wenn nur die oberirdischen Pflanzenteile abgetötet werden. Die systemische Eigenschaft von Vivendi 100 sorgt dafür, dass der Wirkstoff bis in die tiefsten Wurzelstrukturen transportiert wird, wodurch das gesamte Wurzelsystem abstirbt und ein Wiederaustrieb effektiv verhindert wird.
Was musst du bei der Anwendung von Vivendi 100 in Erdbeeren beachten?
In Erdbeerkulturen wird Vivendi 100 vor allem nach der Ernte oder im zeitigen Frühjahr vor dem Knospenaufbruch eingesetzt. Achte darauf, die Anwendung exakt auf die zugelassenen BBCH-Stadien abzustimmen und die vorgeschriebene Wartezeit einzuhalten, um Rückstände in den Früchten zu vermeiden und die Kulturverträglichkeit zu sichern.
Wie kannst du die Wirkung von Vivendi 100 bei extrem trockenen Bedingungen optimieren?
Bei langanhaltender Trockenheit bilden Unkräuter oft eine dickere Wachsschicht (Kutikula) aus, was die Aufnahme des Wirkstoffs erschwert. In solchen Phasen solltest du die Behandlung in die frühen Morgenstunden verlegen, wenn die Luftfeuchtigkeit höher ist und die Pflanzen noch taufeucht sind, um die Wirkstoffaufnahme über das Blatt zu verbessern.