Velifer
Velifer ist ein modernes, biologisches Pflanzenschutzmittel von BASF, das auf dem entomopathogenen Pilz Beauveria bassiana (Stamm PPRI 5339) basiert. Es ist als flüssige Formulierung (Ölsuspension) konzipiert, welche die empfindlichen Sporen schützt und deren Haftung auf den Schaderregern sowie den Blattoberflächen optimiert. Das Produkt hat sich als wertvoller Baustein im integrierten Pflanzenschutz (IPM) etabliert, insbesondere im professionellen Unterglas-Anbau von Gemüse, Erdbeeren und Zierpflanzen.
Das Wirkungsspektrum von Velifer konzentriert sich auf wirtschaftlich bedeutende, saugende Schädlinge. Hierzu zählen insbesondere Weiße Fliegen (wie die Gewächshausmottenschildlaus) sowie verschiedene Thrips-Arten (darunter der Kalifornische Blütenthrips und der Zwiebelthrips). Durch seinen biologischen Ansatz schont das Pflanzenschutzmittel in der Regel wichtige Nützlinge und lässt sich hervorragend in bestehende biologische Bekämpfungsstrategien integrieren.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkungsmechanismus von Velifer basiert auf der physikalischen und enzymatischen Infektion der Zielorganismen durch die Sporen von Beauveria bassiana. Nach dem Kontakt mit dem Schaderreger heften sich die Konidien (Pilzsporen) an die Kutikula des Insekts. Unter geeigneten Bedingungen keimen die Sporen aus und bilden Keimschläuche sowie spezielle Penetrationsorgane (Appressorien). Durch die Freisetzung kutikulabbauender Enzyme wie Proteasen, Chitinasen und Lipasen sowie mechanischen Druck durchdringt der Pilz die äußere Schutzhülle des Schädlings. Sobald der Pilz in das Hämocoel (die Leibeshöhle) des Insekts eingedrungen ist, vermehrt er sich in Form von Hefezellen (Blastosporen). Dies führt zum systemischen Befall, zum Nährstoffentzug und letztlich zum Absterben des Schädlings innerhalb weniger Tage. Da dieser Prozess rein mechanisch-enzymatisch abläuft und nicht auf ein spezifisches Nervengift abzielt, ist die Gefahr einer Resistenzbildung äußerst gering.
Resistenzmanagement
Aufgrund seines einzigartigen, nicht-chemischen Wirkungsmechanismus ist Velifer ein idealer Partner für das Resistenzmanagement. Es gibt keine bekannten Kreuzresistenzen zu konventionellen chemischen Insektiziden. Du kannst Velifer hervorragend in Spritzfolgen integrieren, um den Selektionsdruck auf chemische Wirkstoffe zu senken und die Lebensdauer bestehender synthetischer Pflanzenschutzmittel zu verlängern. Besonders bei Schaderregern mit hoher Generationsfolge und schnellem Resistenzpotenzial, wie Thripsen und Weißen Fliegen, sichert der regelmäßige Wechsel mit diesem biologischen Wirkstoff den langfristigen Bekämpfungserfolg.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bei der Planung von Tankmischungen mit Velifer musst du die biologische Natur des Wirkstoffs berücksichtigen. Da es sich um einen lebenden Pilz handelt, ist die Mischung mit Fungiziden im selben Tank kritisch und sollte im Vorfeld genau geprüft werden; insbesondere breit wirksame oder systemische Fungizide können die Keimfähigkeit der Sporen stark beeinträchtigen. Wartezeiten zwischen einer Fungizidbehandlung und der Anwendung von Velifer sind unbedingt einzuhalten. Mischungen mit den meisten Insektiziden, Flüssigdüngern und Netzmitteln sind hingegen meist problemlos möglich. Achte darauf, die Spritzbrühe nach dem Ansetzen zügig auszubringen und extreme pH-Werte im Tank zu vermeiden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Obwohl Velifer ein biologisches Pflanzenschutzmittel ist, steht der verantwortungsvolle Umgang beim Anwenderschutz an erster Stelle. Trage bei der Ausbringung und beim Ansetzen der Spritzbrühe stets die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), um den direkten... Kontakt mit Haut und Augen sowie das Einatmen von Sprühnebel zu vermeiden. Zum Schutz von Wildbienen und anderen Bestäubern empfiehlt es sich, die Anwendung in den Abendstunden durchzuführen, wenn kein Bienenflug mehr stattfindet, und den direkten Kontakt mit blühenden Kulturen oder Unkräutern zu minimieren. Vermeide zudem jeglichen Eintrag oder Abdrift in Oberflächengewässer, um aquatische Organismen zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Physalis-Arten | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Pfeffer (Cayenne-) | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili) | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Aubergine | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–99 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zucchini | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gurke | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Patisson | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Garten-Kürbis | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Melone | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wassermelone | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Aubergine | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Physalis-Arten | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Pfeffer (Cayenne-) | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili) | Gewächshausmottenschildlaus, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–99 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zucchini | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gurke | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Patisson | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Garten-Kürbis | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Melone | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wassermelone | Kalifornischer Blütenthrips, Zwiebelthrips | 11–89 | 1.25 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wie beeinflussen Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Wirkung von Velifer?
Da Velifer auf einem lebenden Pilz basiert, sind moderate Temperaturen (ideal zwischen 15 °C und 30 °C) und eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit für die Sporenkeimung entscheidend. Du solltest die Behandlung daher bevorzugt in den kühleren Abendstunden oder bei bewölktem Himmel durchführen, damit die Spritzbrühe nicht zu schnell abtrocknet und die Sporen genügend Zeit haben, den Schaderreger zu infizieren.
Wie kannst du Velifer mit dem Einsatz von Nützlingen im Gewächshaus kombinieren?
Velifer ist hervorragend für den kombinierten Einsatz mit Nützlingen wie Schlupfwespen oder Raubmilben geeignet. Da der Pilz vor allem auf direkten Kontakt mit den Schaderregern abzielt, werden etablierte Nützlingspopulationen bei sachgerechter Anwendung in der Regel nicht gefährdet. Du kannst so biologische und mikrobielle Bekämpfungsmethoden optimal miteinander verknüpfen.
Wie schnell sterben die Schaderreger nach der Behandlung ab?
Velifer ist kein klassisches Knock-down-Präparat mit Sofortwirkung. Nach dem Kontakt benötigt der Pilz etwa 24 bis 48 Stunden, um in den Schädling einzudringen. Erste Symptome und eine verringerte Aktivität der Schaderreger sind meist nach 2 bis 3 Tagen sichtbar; das vollständige Absterben erfolgt in der Regel innerhalb von 3 bis 5 Tagen nach der Anwendung.
Worauf musst du beim Ansetzen der Spritzbrühe besonders achten?
Achte darauf, dass dein Spritzfass absolut sauber und frei von Fungizidrückständen ist, da diese die lebenden Sporen schädigen können. Befülle den Tank zunächst mit Wasser, setze das Rührwerk in Gang und gib Velifer langsam hinzu. Verwende die fertige Spritzbrühe sofort nach dem Ansetzen und lasse sie nicht über längere Zeit im Tank stehen.
Ab welchem BBCH-Stadium kannst du Velifer in deinen Kulturen anwenden?
Laut Zulassung kannst du Velifer über eine sehr breite Spanne vom BBCH-Stadium 11 (Entfaltung des ersten Laubblattes) bis zum Stadium 99 (Ernte bzw. Ende der Vegetationsperiode) einsetzen. Dies gibt dir maximale Flexibilität, um bereits bei den ersten Anzeichen eines Befalls im frühen Frühjahr bis hin zur Erntephase flexibel auf den Schaderregerdruck zu reagieren.
Gibt es bei Velifer eine Wartezeit vor der Ernte?
Aufgrund des biologischen Wirkstoffs Beauveria bassiana und des günstigen Rückstandsprofils sind die Wartezeiten bei Velifer extrem kurz oder gar nicht vorhanden. Dies macht das Pflanzenschutzmittel besonders wertvoll für Kulturen, die kontinuierlich geerntet werden, wie Tomaten, Gurken oder Erdbeeren, da du flexibel bis kurz vor der Ernte behandeln kannst.