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URANSER

BVL Zul.-Nr. 008838-63

URANSER ist ein hochkonzentriertes, systemisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Plasmopara viticola) im Weinbau. Mit seinem Wirkstoff Kaliumphosphonat (726 g/l) bietet das flüssige Präparat eine hervorragende systemische Verteilung in der Kultur. Es wird schnell über Blätter und Triebe aufgenommen und sowohl akropetal als auch basipetal in der Rebe transportiert, wodurch auch der empfindliche Neuzuwachs geschützt wird.

Das Produkt nimmt eine wichtige Rolle im modernen, integrierten Weinbau ein. Durch seine duale Wirkungsweise – die direkte Hemmung des Erregers und die gleichzeitige Aktivierung der pflanzeneigenen Abwehrmechanismen – stärkt es die Vitalität der Reben in kritischen Infektionsphasen. Die flüssige Formulierung ermöglicht eine einfache Handhabung und präzise Dosierung im Weinberg.

Wirkstoffe

Kaliumphosphonat (Kaliumphosphit)
726 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Kaliumphosphonat (zugeordnet der FRAC-Gruppe P07) besitzt einen einzigartigen, systemischen Wirkungsmechanismus. Nach der Applikation dringt er rasch in das Pflanzengewebe ein. Er wirkt zum einen direkt toxisch auf den Oomyceten Plasmopara viticola, indem er dessen Phosphat-Metabolismus stört und das Myzelwachstum sowie die Sporenbildung direkt hemmt. Zum anderen fungiert Kaliumphosphonat als potenter Induktor der pflanzlichen Selbstverteidigung (Host Plant Defence Induction). Es signalisiert der Kultur einen Scheininfekt, woraufhin die Rebe verstärkt Phytoalexine (pflanzeneigene Abwehrstoffe) bildet und die Zellwände durch Lignifizierung verstärkt. Diese Kombination aus direkter Pilzhemmung und indirekter Immunisierung erschwert es dem Schaderreger, eine Infektion erfolgreich zu etablieren.

Resistenzmanagement

Da Kaliumphosphonat (FRAC-Gruppe P07) an mehreren Stellen in den Stoffwechsel des Erregers eingreift (Multisite-Aktivität über die Induktion von Abwehrmechanismen), gilt das Risiko einer Resistenzentwicklung als äußerst gering. Dennoch solltest du URANSER stets im Rahmen einer vorausschauenden Antiresistenzstrategie einsetzen. Dies bedeutet, dass du das Mittel im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen anwendest, um den Selektionsdruck auf die Population von Plasmopara viticola dauerhaft niedrig zu halten.

Mischbarkeit & Tankmischung

URANSER zeichnet sich durch eine gute physikalische Mischbarkeit mit vielen gängigen Weinbaufungiziden und organischen Pflanzenschutzmitteln aus. Bei Tankmischungen mit kupferhaltigen Produkten ist jedoch Vorsicht geboten, da die systemische Aufnahme von Kupferionen unter bestimmten Bedingungen Phytotoxizität verursachen kann. Achte stets auf einen ausreichenden pH-Wert der Spritzbrühe (idealerweise im leicht sauren bis neutralen Bereich) und führe im Zweifel vor der großflächigen Anwendung eine Mischprobe im kleinen Maßstab durch.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit URANSER steht der Schutz des Anwenders und der Umwelt im Vordergrund. Trage während der Anmischung und Applikation stets die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (Schutzanzug, Schutzhandschuhe und Augenschutz). Zum Schutz von Bestäubern solltest du die Anwendung nicht in blühende Kulturen oder an Orten durchführen, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind; verlege die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden. Vermeide zudem jegliche Abdrift in angrenzende Gewässer oder Saumstrukturen, um aquatische Organismen und die lokale Flora zu schonen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeFalscher Mehltau (Plasmopara viticola)15–991 LITER_PER_HECTARE14T

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Einsatz von URANSER im Weinberg?

Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt vorbeugend (protektiv) in den Hauptwachstumsphasen ab dem BBCH-Stadium 15 (5. Laubblatt entfaltet). Da das Pflanzenschutzmittel vollkommen systemisch wirkt und den Neuzuwachs schützt, solltest du es vor den ersten prognostizierten Infektionsbedingungen (warm-feuchte Witterung) ausbringen, um die pflanzeneigene Abwehr rechtzeitig zu aktivieren.

Kann ich URANSER auch bei akutem Befall mit Falschem Mehltau einsetzen?

URANSER wirkt primär protektiv und systemisch-induzierend. Bei einem bereits sichtbaren, starken Ausbruch des Falschen Mehltaus (Ölflecken oder weißer Sporenrasen) solltest du das Mittel mit einem kurativ wirksamen Fungizid kombinieren, da URANSER allein den etablierten Schaderreger nicht vollständig stoppen kann, sondern vor allem die Ausbreitung auf gesundes Gewebe verhindert.

Warum ist die Wartezeit von 14 Tagen im Weinbau so wichtig?

Die gesetzlich festgelegte Wartezeit von 14 Tagen stellt sicher, dass bis zur Ernte alle Wirkstoffrückstände in den Trauben weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Dies ist besonders im Weinbau entscheidend, um spätere Gärstörungen im Keller zu vermeiden und die Weinqualität nicht negativ zu beeinflussen.

Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von URANSER nach der Spritzung?

Da der Wirkstoff Kaliumphosphonat sehr schnell von den Blättern der Kultur aufgenommen wird, ist der Spritzbelag bereits nach kurzer Zeit (meist innerhalb von 1 bis 2 Stunden) regenfest. Dennoch solltest du die Behandlung auf trockene Bestände durchführen und extreme Hitzeperioden meiden, um eine optimale Aufnahme über die Spaltöffnungen zu gewährleisten.

Wie finde ich im Agronomy-Hub weitere zugelassene Produkte gegen den Falschen Mehltau?

Du kannst im Hub direkt nach dem Schaderreger "Falscher Mehltau (Plasmopara viticola)" filtern oder die Kultur "Weinrebe" auswählen. Dort werden dir alle in Deutschland registrierten Pflanzenschutzmittel übersichtlich angezeigt, sodass du Wirkstoffe für eine effektive Spritzfolge und ein optimales Resistenzmanagement vergleichen kannst.

Kann ich URANSER mit Blattdüngern mischen?

Ja, URANSER ist generell gut mit den meisten stickstoff- und magnesiumbetonten Blattdüngern mischbar. Vermeide jedoch Mischungen mit stark alkalischen Düngemitteln oder Produkten, die hohe Konzentrationen an freien Calcium- oder Kupferionen enthalten, da dies zu Ausfällungen in der Spritze oder zu Blattschäden an der Kultur führen kann.