Tilmor
Tilmor ist ein hochwirksames Fungizid und Wachstumsregler, das speziell für den Einsatz im Winterraps entwickelt wurde. Durch die Kombination der beiden bewährten Triazol-Wirkstoffe Prothioconazol und Tebuconazol bietet das Pflanzenschutzmittel sowohl einen hervorragenden Schutz vor ertragsmindernden Pilzkrankheiten als auch eine gezielte Steuerung der Kulturarchitektur. Die flüssige Formulierung ermöglicht eine einfache Handhabung und eine schnelle Aufnahme durch die Kultur.
In der landwirtschaftlichen Praxis übernimmt Tilmor eine wichtige Doppelrolle: Im Herbst fördert es die Winterfestigkeit, indem es das vorzeitige Emporwachsen des Vegetationskegels verhindert und den Raps kompakt am Boden hält. Im Frühjahr sorgt eine gezielte Anwendung für eine verbesserte Standfestigkeit und eine stärkere Verzweigung der Kultur, während gleichzeitig ein langanhaltender Schutz gegen wichtige Stängelkrankheiten aufgebaut wird.
Das primäre biologische Zielspektrum umfasst die gefährliche Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans). Durch die flexible Anwendungsmöglichkeit von der frühen Blattentwicklung bis hin zur Knospenbildung lässt sich Tilmor optimal an die jeweilige Witterung und den Infektionsdruck im Feld anpassen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die beiden in Tilmor enthaltenen Wirkstoffe, Prothioconazol und Tebuconazol, gehören zur chemischen Gruppe der Triazole (FRAC-Gruppe 3, Demethylierungs-Inhibitoren / DMI). Sie greifen gezielt in die Sterol-Biosynthese der Pilzzellen ein, indem sie das Enzym C14-Demethylase blockieren. Dies führt zu einem Mangel an Ergosterol, einem essenziellen Baustein der pilzlichen Zellmembran, wodurch das Wachstum der Keimschläuche und Hyphen des Schaderregers effektiv gestoppt wird. Zusätzlich zu dieser fungiziden Wirkung besitzt insbesondere Tebuconazol ausgeprägte morphologische Effekte auf die Kultur. Durch den Eingriff in die pflanzeneigene Gibberellinsynthese wird das Streckungswachstum der Zellen gehemmt. Dies führt zu einem kompakteren Wuchs, einer verstärkten Einlagerung von Reservestoffen im Wurzelhals und einer Förderung des Wurzelwachstums, was die Stand- und Winterfestigkeit der Kultur physiologisch absichert.
Resistenzmanagement
Um einer Resistenzentwicklung bei wichtigen Schaderregern wie Leptosphaeria maculans vorzubeugen, solltest du Tilmor stets in ein integriertes Pflanzenschutzkonzept einbinden. Da beide Wirkstoffe zur FRAC-Gruppe 3 gehören, ist ein wiederholter, alleiniger Einsatz von Triazolen über die gesamte Saison zu vermeiden. Nutze im Rahmen der Fruchtfolge und des Spritzplans Wirkstoffwechsel mit anderen Wirkstoffklassen (wie z. B. SDHI oder Strobilurinen) und setze auf pflanzenbauliche Maßnahmen wie die Auswahl widerstandsfähiger Rapssorten und eine sorgfältige Stoppelbearbeitung zur Reduzierung des Ausgangsinokulums.
Mischbarkeit & Tankmischung
Tilmor zeichnet sich durch eine sehr gute Mischbarkeit mit gängigen Pflanzenschutzmitteln aus. Die Kombination mit Insektiziden (z. B. zur Bekämpfung von Erdflohbefall im Herbst oder Rapsstängelrüsslern im Frühjahr) sowie mit Mikronährstoffen wie Bor ist in der Praxis problemlos möglich. Bei der Herstellung von Tankmischungen solltest du feste Formulierungspartner oder Dünger stets vollständig im Tank auflösen, bevor du Tilmor hinzugibst. Vermeide komplexe Mehrfachmischungen unter extremen Stressbedingungen wie Frost oder starker Hitze, um die Kulturverträglichkeit nicht zu gefährden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Tilmor ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen bei der Ausbringung und beim Ansetzen der Spritzbrühe) unerlässlich. Um Gewässer und Nichtzielorganismen zu schonen, sind die allgemeinen Abdriftminderungsauflagen strikt einzuhalten. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse vorgegeben ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern die Anwendung generell in die späten Abendstunden verlegen, wenn kein Bienenflug mehr stattfindet, und darauf achten, dass blühende Unkräuter im Unterbestand nicht direkt getroffen werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterraps | Standfestigkeit | 12–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Winterfestigkeit | 12–18 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans) | 12–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Herbstbehandlung mit Tilmor?
Der optimale Behandlungszeitraum im Herbst liegt im 4- bis 6-Blatt-Stadium des Rapses (BBCH 14–16). In dieser Phase erzielst du die beste einkürzende Wirkung, um ein Überwachsen des Rapses vor dem Winter zu verhindern, und schützt die Kultur gleichzeitig vor frühen Phoma-Infektionen.
Wie genau verbessert Tilmor die Winterfestigkeit des Rapses?
Durch die wachstumsregulierenden Eigenschaften von Tebuconazol wird das Längenwachstum des Triebes gehemmt, sodass der Vegetationskegel dicht am Boden bleibt und vor Frost geschützt ist. Gleichzeitig wird das Dickenwachstum des Wurzelhalses und die Ausbildung des Wurzelsystems gefördert.
Kann ich Tilmor im Frühjahr auch noch bei späterem Knospenstadium einsetzen?
Ja, Tilmor ist im Frühjahr flexibel bis zum Ende der Knospenbildung (BBCH 59) zugelassen. Eine spätere Anwendung dient vor allem der Absicherung der Standfestigkeit und dem Schutz der oberen Stängelabschnitte vor Pilzinfektionen kurz vor der Rapsblüte.
Was muss ich bei der Mischung von Tilmor mit Bor-Blattdüngern beachten?
Die Mischung ist generell gut verträglich. Du solltest jedoch darauf achten, zuerst den Tank zu mindestens 50 % mit Wasser zu füllen, dann den Bor-Dünger vollständig aufzulösen und erst ganz zum Schluss Tilmor unter laufendem Rührwerk beizugeben.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub alternative Produkte für meine Raps-Kulturen?
Nutze einfach die Such- und Filtersysteme auf unserer Plattform. Du kannst gezielt nach der Kultur 'Winterraps' (BRSNW) oder nach dem Schaderreger 'Leptosphaeria maculans' filtern, um alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel und deren Anwendungsbestimmungen direkt miteinander zu vergleichen.