RAK 1+2 M
RAK 1+2 M ist ein bewährtes, umweltschonendes Pflanzenschutzmittel von BASF, das im Weinbau zur biotechnischen Regulierung von Schaderregern eingesetzt wird. Es handelt sich um ein anwendungsfertiges Dispensersystem (Verwirrungsverfahren), das speziell für den kombinierten Einsatz gegen den Einbindigen und den Bekreuzten Traubenwickler entwickelt wurde. Durch die kontinuierliche Abgabe von synthetischen Sexualpheromonen wird die Paarung der Schädlinge effektiv verhindert.
Diese Formulierung als Verdampfer (Dispenser) ermöglicht eine gleichmäßige Wirkstoffabgabe über die gesamte Flugzeit der Schaderreger hinweg. Da es sich um ein selektives, rückstandsfreies Verfahren handelt, nimmt RAK 1+2 M eine Schlüsselrolle im integrierten Pflanzenschutz ein und schont wichtige Nützlinge in der Kultur.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die Wirkungsweise von RAK 1+2 M basiert auf dem Prinzip der Paarungsstörung (Mating Disruption). Die beiden aktiven Wirkstoffe (E,Z)-7,9-Dodecadien-1-ylacetat und (Z)-9-Dodecen-1-ylacetat sind die synthetischen Gegenstücke der natürlichen weiblichen Sexualpheromone des Bekreuzten bzw. Einbindigen Traubenwicklers. Nach dem Ausbringen der Dispenser im Bestand verteilen sich diese Duftstoffe gleichmäßig in der Luft und überlagern die natürlichen Lockstoffspuren der weiblichen Falter. Die männlichen Falter können die echten Weibchen dadurch nicht mehr orten, was die Paarung und die anschließende Eiablage verhindert. Da dieser Mechanismus rein verhaltensmodifizierend ist und nicht toxisch auf das Nervensystem oder den Stoffwechsel der Insekten wirkt, unterscheidet er sich grundlegend von klassischen Insektiziden.
Resistenzmanagement
Da es sich bei der Verwirrungsmethode um ein biotechnisches Verfahren handelt, das auf der sensorischen Desorientierung basiert, ist das Risiko einer Resistenzbildung im Vergleich zu chemischen Pflanzenschutzmitteln als extrem gering einzustufen. Um den Bekämpfungserfolg langfristig zu sichern, solltest du RAK 1+2 M in ein ganzheitliches integriertes Pflanzenschutzkonzept (IPM) einbinden. Bei sehr hohem Befallsdruck im Vorjahr oder an kritischen Befallsherden kann eine ergänzende, gezielte Behandlung mit zugelassenen Insektiziden anderer Wirkstoffklassen zu Beginn der ersten Generation sinnvoll sein.
Mischbarkeit & Tankmischung
Da RAK 1+2 M als feste Dispenser manuell in der Kultur aufgehängt wird, entfällt die klassische physikalische Tankmischung in der Spritze. Das System ist jedoch vollkommen kompatibel mit allen üblichen Spritzprogrammen gegen Pilzkrankheiten oder andere Schaderreger. Du kannst deine regulären Fungizid- und Insektizidbehandlungen uneingeschränkt durchführen, ohne dass die Freisetzungsrate oder die Stabilität der Pheromondispenser beeinträchtigt werden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Ausbringen der Dispenser solltest du die allgemeinen Arbeitsschutzregeln beachten und geeignete Schutzhandschuhe tragen, um direkten Hautkontakt mit den wirkstoffführenden Teilen zu vermeiden. Da die Wirkstoffe gezielt und in minimalen Mengen gasförmig in die Luft abgegeben werden, ist das Risiko für Nichtzielorganismen äußerst gering. Zum Schutz von Bienen und anderen Bestäubern wird empfohlen, die Anwendung so zu gestalten, dass keine unnötigen Störungen im Biotop auftreten; das Produkt selbst stellt aufgrund seiner Ausbringungsform als passiver Dispenser keine direkte Gefahr für Bienen dar. Vermeide den direkten Eintrag von ungenutzten Dispensern in Gewässer.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Weinrebe | Bekreuzter Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm) | 12–99 | 500 PIECES_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm) | 12–99 | 500 PIECES_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt, um RAK 1+2 M in deiner Kultur aufzuhängen?
Du solltest die Dispenser unbedingt vor dem Beginn des ersten Falterflugs der ersten Traubenwicklergeneration im Weinberg verteilen. Nutze dafür das regionale Monitoring (z. B. Phänologiemodelle oder erste Fänge in Testfallen), um den perfekten Zeitpunkt im Frühjahr nicht zu verpassen.
Wie beeinflusst windiges oder sehr heißes Wetter die Wirkung der Dispenser?
Starker Wind kann die Pheromonwolke lokal verdünnen, weshalb besonders an windexponierten Lagen und an den Parzellenrändern eine höhere Dispenserdichte (Randbesatz) empfohlen wird. Hohe Temperaturen beschleunigen die Abgaberate leicht, die Dispenser sind jedoch so formuliert, dass sie auch in heißen Sommern über die gesamte Vegetationsperiode hinweg ausreichend Wirkstoff abgeben.
Musst du bei kleinen oder unregelmäßig geformten Flächen etwas Besonderes beachten?
Ja, das Verwirrungsverfahren funktioniert am besten auf größeren, zusammenhängenden Flächen (idealerweise ab 1 Hektar). Bei kleineren oder stark zerklüfteten Parzellen ist der Randeffekt durch zufliegende, bereits begattete Weibchen aus Nachbarflächen hoch. Hier solltest du die Randreihen verstärkt bestücken oder dich mit Nachbarbetrieben zusammenschließen.
Wie kontrollierst du den Erfolg der Verwirrungsmethode, wenn keine Schädlinge direkt bekämpft werden?
Da klassische Pheromonfallen zur Überwachung im verirrten Weinberg ebenfalls blockiert sein sollten (was ein gutes Zeichen für die Wirkung ist), erfolgt die Erfolgskontrolle primär durch visuelle Kontrollen. Du solltest regelmäßig die Gescheine auf Eiablage oder Larvenbefall (Sauerwurm/Heuwurm) untersuchen.
Können die Dispenser nach der Ernte in der Kultur verbleiben?
Aus Gründen des Umweltschutzes und der guten fachlichen Praxis solltest du die verbrauchten Dispenser nach der Ernte oder im Zuge des Rebschnitts im Winter einsammeln und fachgerecht über den Hausmüll entsorgen, um keine Kunststoffrückstände in der Anlage zu hinterlassen.