Polyversum OD
Polyversum OD ist ein innovatives biologisches Pflanzenschutzmittel (Mykofungizid) auf Basis des nützlichen Bodenorganismus Pythium oligandrum (Stamm M1). Als flüssige Öldispersion (OD) formuliert, bietet dieses Präparat eine hervorragende Benetzung und Haftung auf den behandelten Pflanzenteilen. Es ist für ein breites Spektrum an Kulturen zugelassen, darunter Getreide, Raps, Weinreben, Erdbeeren sowie verschiedene Gemüse- und Zierpflanzenkulturen.
Das Pflanzenschutzmittel zeichnet sich durch ein breites Wirkungsspektrum gegen wirtschaftlich bedeutende Schaderreger aus. Dazu gehören boden- und blattbürtige Pilze wie Botrytis cinerea, Sclerotinia-Arten, Phytophthora, Fusarium sowie verschiedene Blattflecken- und Rostpilze. Durch seinen biologischen Ansatz eignet sich Polyversum OD ideal für integrierte Anbausysteme sowie für den Einsatz in rückstandsminimierten Produktionsprogrammen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Pythium oligandrum M1 ist ein mycoparasitischer Oomyzet, der über einen dreifachen Wirkungsmechanismus verfügt. Erstens parasitiert er Schadpilze direkt: Die Hyphen von Pythium oligandrum umschlingen die Myzelien der Schaderreger, dringen in diese ein und zerstören deren Zellwände durch enzymatischen Abbau. Zweitens induziert der Organismus die natürliche pflanzliche Eigenabwehr (induzierte Resistenz), indem er die Synthese von Phytoalexinen und strukturstärkenden Proteinen in der Kultur anregt. Drittens besetzt der nützliche Pilz die ökologischen Nischen auf der Pflanzenoberfläche und entzieht den Schaderregern durch Konkurrenz lebenswichtige Nährstoffe und Raum. Da es sich um einen rein physikalisch-biologischen Mykoparasitismus handelt, ist dieser Wirkungsmechanismus völlig unempfindlich gegenüber klassischen chemischen Fungizidresistenzen.
Resistenzmanagement
Aufgrund des komplexen, nicht-spezifischen Wirkungsmechanismus von Pythium oligandrum M1 besteht kein Risiko für eine Resistenzbildung bei den Zielorganismen. Polyversum OD eignet sich daher hervorragend als Baustein im Antiresistenzmanagement. Du kannst das Produkt optimal in Spritzfolgen mit chemisch-synthetischen Fungiziden integrieren, um deren Wirkungsdauer zu verlängern und den Selektionsdruck auf klassische Wirkstoffklassen effektiv zu senken.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bei der Herstellung von Tankmischungen ist zu beachten, dass es sich bei Polyversum OD um ein biologisch aktives Präparat mit lebenden Sporen handelt. Mische das Produkt nicht mit stark sauren oder alkalischen Partnern sowie mit kupferhaltigen Fungiziden oder Breitband-Fungiziden, die die Sporen von Pythium oligandrum schädigen könnten. Achte auf eine saubere Spritze ohne chemische Rückstände und verwende Wasser mit einem neutralen pH-Wert. Die Anwendung sollte zügig nach dem Ansetzen der Spritzbrühe erfolgen, um die Vitalität des Wirkstoffs nicht zu beeinträchtigen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Als biologisches Pflanzenschutzmittel weist Polyversum OD ein günstiges Umweltprofil auf. Dennoch solltest du bei der Ausbringung die standardmäßige persönliche Schutzausrüstung tragen, um Augen- und Hautkontakt sowie das Einatmen von Sprühnebel zu vermeiden. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse in den Zulassungsdaten vorgegeben ist, empfiehlt sich aus Vorsorgegründen eine Anwendung außerhalb des aktiven Bienenflugs in den Abendstunden, insbesondere wenn die Kultur oder Begleitflora blüht. Vermeide zudem den direkten Eintrag in Gewässer und achte auf eine abdriftmindernde Applikationstechnik, um aquatische Organismen zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Beten (Rote, Gelbe, Weiße Bete) | Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) | 39–49 | 20 MILLILITER_PER_1000_SQUARE_METER | 1T |
| Futterrübe | Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) | 39–49 | 20 MILLILITER_PER_1000_SQUARE_METER | 1T |
| Zuckerrübe | Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) | 39–49 | 20 MILLILITER_PER_1000_SQUARE_METER | 1T |
| Weinrebe | Graufäule (Botrytis cinerea) | 68–89 | 10 MILLILITER_PER_1000_SQUARE_METER | 1T |
| Sommerweichweizen | Puccinia-Arten, Halmbruchkrankheit (Pseudocercosporella herpotrichoides) | 30–69 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Puccinia-Arten, Halmbruchkrankheit (Pseudocercosporella herpotrichoides) | 30–69 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Esskastanien-Arten | Phytophthora-Arten (Phytophthora species) | — | 1 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Beten (Rote, Gelbe, Weiße Bete) | Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) | 39–49 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Erdbeere | Botrytis cinerea, Phytophthora cactorum | 59–89 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Raps | Stängelfäule (Sclerotinia sclerotiorum) | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Botrytis cinerea, Pilzliche Schaderreger | 9–89 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Sommergerste | Fusarium-Arten | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gurke | Botrytis cinerea, Bodenpilze, Pilzliche Blattfleckenerreger | 9–89 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Erbse | Pilzliche Schaderreger | — | 0.5 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Oelrettich | Sclerotinia sclerotiorum, Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans) | 12–39 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) | 39–49 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Weizen | Fusarium-Arten | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Graufäule (Botrytis cinerea) | 68–89 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Beten (Rote, Gelbe, Weiße Bete) | Pilzliche Schaderreger | — | 0.5 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Rasen | Rhizoctonia spp., Fusarium-Arten, Dollarflecken-Krankheit (Sclerotinia homoeocarpa) | — | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Botrytis cinerea, Sclerotinia sclerotiorum, Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 12–65 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gurke | Pilzliche Schaderreger | — | 0.5 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Weizen | Septoria-Arten (Septoria spp.) | 30–69 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Raps | Verticillium | 12–39 | 0.4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili) | Botrytis cinerea, Pilzliche Schaderreger | 9–89 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Gemüsekulturen | Pilzliche Schaderreger | — | 0.5 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Baumschulgehölzpflanzen | Botrytis cinerea, Rhizoctonia spp., Fusarium-Arten | — | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola) | 39–49 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 1T |
Häufige Fragen
Wie bereitest du die Spritzbrühe mit Polyversum OD am besten vor, um die Sporen zu aktivieren?
Um die maximale Vitalität der Sporen von Pythium oligandrum zu gewährleisten, solltest du das Präparat zunächst in einer geringen Menge lauwarmem Wasser vordispergieren und einige Minuten quellen lassen, bevor du es in den fast gefüllten Spritztank gibst. Verwende die Spritzbrühe unmittelbar nach dem Ansetzen und lasse sie nicht über Nacht stehen.
Kannst du Polyversum OD auch bei niedrigen Temperaturen im zeitigen Frühjahr einsetzen?
Ja, Pythium oligandrum ist bereits bei relativ kühlen Bodentemperaturen ab etwa 8 °C aktiv. Für eine optimale mycoparasitische Aktivität und die Induktion der pflanzlichen Abwehrkräfte sind jedoch Temperaturen über 12 °C und eine ausreichende Feuchtigkeit auf den Pflanzenteilen ideal. Vermeide Anwendungen bei Frostgefahr.
Warum ist die Wartezeit bei diesem Produkt mit nur einem Tag so extrem kurz?
Da es sich bei dem Wirkstoff um einen natürlichen, nicht-toxischen Bodenorganismus handelt, der keine chemischen Rückstände auf dem Erntegut hinterlässt, ist die Wartezeit auf ein Minimum von einem Tag festgelegt. Das macht Polyversum OD zu einem idealen Werkzeug für späte Behandlungen direkt vor der Ernte, beispielsweise im Beeren- oder Gemüsebau.
Wie integrierst du Polyversum OD am besten in dein bestehendes chemisches Spritzprogramm?
Du kannst das Produkt hervorragend als Abschlussbehandlung einsetzen, um Rückstände im Erntegut zu minimieren, oder im Wechsel mit chemischen Fungiziden spritzen. Achte bei einer Spritzfolge darauf, dass zwischen der Anwendung eines chemischen Fungizids und Polyversum OD ein Sicherheitsabstand von mindestens 7 bis 10 Tagen liegt, damit der biologische Wirkstoff nicht beeinträchtigt wird.
Welche Rolle spielt die Feuchtigkeit bei der Anwendung von Polyversum OD?
Feuchtigkeit ist für den Erfolg der Behandlung entscheidend. Die Sporen benötigen Feuchtigkeit (wie Tau oder hohe Luftfeuchtigkeit), um zu keimen und den Mykoparasitismus zu starten. Eine Applikation in den feuchten Morgen- oder Abendstunden ist daher deutlich effektiver als eine Spritzung in der trockenen Mittagssonne.
Hilft Polyversum OD auch vorbeugend gegen bodenbürtige Schaderreger?
Ja, besonders bei frühen BBCH-Stadien schützt das Pflanzenschutzmittel junge Kulturen vor bodenbürtigen Erregern wie Pythium oder Rhizoctonia. Durch die Besiedlung der Wurzelzone und die Stärkung der pflanzeneigenen Abwehrkräfte wird das Auflaufen der Kultur gesichert und die Vitalität von Anfang an gefördert.