Alle Mittel
Sonstige · Nufarm Deutschland GmbH

Lentipur 700

BVL Zul.-Nr. 043753-00

Lentipur 700 von Nufarm ist ein bewährtes, flüssiges Herbizid (Suspensionskonzentrat, SC) zur Bekämpfung von einjährigen einkeimblättrigen und zweikeimblättrigen Unkräutern im Herbst oder zeitigen Frühjahr. Als etablierter Standard im Getreideanbau bietet es eine zuverlässige Basis für die Unkrautkontrolle in wichtigen Wintergetreidekulturen wie Wintergerste, Winterweichweizen, Winterroggen und Wintertriticale.

Der Wirkstoff Chlortoluron zeichnet sich durch eine hervorragende Boden- und Blattwirkung aus. Dadurch erfasst das Pflanzenschutzmittel sowohl bereits aufgelaufene Schaderreger als auch keimende Unkräuter und Ungräser über einen längeren Zeitraum hinweg. Dies macht Lentipur 700 zu einem flexiblen Baustein in der Unkrautbekämpfungsstrategie, besonders in Regionen mit hohem Druck durch Ungräser.

Das Wirkungsspektrum umfasst bedeutende Problemunkräuter und -gräser im Getreidebau, darunter den Gemeinen Windhalm, das Einjährige Rispengras sowie einjährige zweikeimblättrige Unkräuter. Auch gegen den gefürchteten Acker-Fuchsschwanz zeigt das Mittel bei optimalen Bedingungen und angepassten Strategien eine wichtige Wirkung und unterstützt die Gesunderhaltung deiner Kulturen von Anfang an.

Wirkstoffe

Chlortoluron
700 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Lentipur 700 enthaltene Wirkstoff Chlortoluron gehört zur chemischen Gruppe der Harnstoffderivate und ist im HRAC-System der Gruppe 5 (ehemals C2) zugeordnet. Der Wirkungsmechanismus basiert auf der Hemmung der Photosynthese im Photosystem II. Chlortoluron bindet reversibel an die QB-Bindungsstelle des D1-Proteins in den Thylakoidmembranen der Chloroplasten. Dies blockiert den Elektronentransport, was letztlich zur Bildung reaktiver Sauerstoffspezies führt, die die Zellmembranen zerstören und das Absterben der Unkräuter einleiten. Die Aufnahme erfolgt primär über die Wurzeln der keimenden und auflaufenden Schaderreger, sekundär aber auch über das Blattwerk bereits entwickelter Unkräuter. Nach der Aufnahme wird der Wirkstoff akropetal (mit dem Saftstrom nach oben) in die Blätter transportiert. Ein feuchter Boden zum Anwendungszeitpunkt begünstigt die Wirkstoffaufnahme über die Wurzeln erheblich, da Chlortoluron so optimal in der Bodenlösung verteilt wird.

Resistenzmanagement

Um der Entstehung von Resistenzen, insbesondere bei schwer bekämpfbaren Ungräsern wie dem Acker-Fuchsschwanz oder dem Gemeinen Windhalm, wirksam vorzubeugen, solltest du Lentipur 700 stets in ein integriertes Herbizidmanagement einbinden. Vermeide den wiederholten, alleinigen Einsatz von Wirkstoffen aus der HRAC-Gruppe 5 auf derselben Fläche. Kombiniere oder rotiere das Pflanzenschutzmittel stattdessen mit Herbiziden anderer Wirkmechanismen (z. B. aus den HRAC-Gruppen 3, 15 oder 0). Auch pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine vielseitige Fruchtfolge, angepasste Aussaattermine und mechanische Bodenbearbeitung tragen entscheidend dazu bei, den Selektionsdruck zu minimieren.

Mischbarkeit & Tankmischung

Lentipur 700 ist im Allgemeinen gut mit vielen gängigen Getreideherbiziden, Fungiziden und flüssigen Blattdüngern mischbar, was dir eine zeitsparende Überfahrt ermöglicht. Bei der Erstellung von Tankmischungen solltest du jedoch stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab eine physikalische Mischprobe in einem kleinen Gefäß durchführen. Achte auf eine ausreichende Wassermenge und eine kontinuierliche Rührung im Spritztank. Die Zugabe von Additiven oder Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, kann aber unter extremen Witterungsbedingungen die Blattwirkung beeinflussen; stimme dies im Zweifel mit deiner lokalen Fachberatung ab.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Lentipur 700 ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz bei der Handhabung des Konzentrats, unerlässlich. Da für dieses Produkt keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Datenblatt angegeben ist, solltest du aus Vorsorgegründen jegliche Abdrift auf blühende Kulturen oder von Bienen beflogene Unkräuter vermeiden und die Anwendung bevorzugt in den Abendstunden durchführen, wenn der Bienenflug beendet ist. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen sind die gesetzlichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen strikt einzuhalten; vermeide Anwendungen bei hoher Windgeschwindigkeit, um Abdrift zu minimieren.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WintergersteGemeiner Windhalm, Einjähriges Rispengras, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter—3 LITER_PER_HECTARE—
WinterweichweizenGemeiner Windhalm, Einjähriges Rispengras, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter—3 LITER_PER_HECTARE—
WinterweichweizenGemeiner Windhalm, Einjähriges Rispengras, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–293 LITER_PER_HECTARE—
WintertriticaleGemeiner Windhalm, Einjähriges Rispengras, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter—3 LITER_PER_HECTARE—
WintergersteGemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–293 LITER_PER_HECTARE—
WinterroggenGemeiner Windhalm, Einjähriges Rispengras, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter—3 LITER_PER_HECTARE—
WinterweichweizenGemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–293 LITER_PER_HECTARE—
WintergersteGemeiner Windhalm, Einjähriges Rispengras, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–293 LITER_PER_HECTARE—

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Lentipur 700 im Herbst?

Der beste Anwendungszeitpunkt liegt im frühen Nachauflauf der Kulturen (ab BBCH 10 bis BBCH 29), wenn die Unkräuter und Ungräser gerade keimen oder sich im Keimblatt- bis maximal 2-Blatt-Stadium befinden. Achte darauf, dass der Boden zum Spritzzeitpunkt ausreichend feucht ist, da dies die Aufnahme des Wirkstoffs über die Wurzeln der Schaderreger massiv verbessert.

Gibt es Sortenbeschränkungen beim Einsatz in Winterweizen oder Wintergerste?

Ja, Chlortoluron-haltige Pflanzenschutzmittel wie Lentipur 700 weisen bei bestimmten Getreidesorten eine mangelnde Verträglichkeit auf (sogenannte Chlortoluron-Unverträglichkeit). Du musst vor der Anwendung unbedingt prüfen, ob die von dir ausgesäte Sorte (insbesondere bei Winterweichweizen und Wintergerste) als chlortoluron-tolerant eingestuft ist, um schwere Schäden an der Kultur zu vermeiden.

Kann ich Lentipur 700 auch auf sehr leichten oder sandigen Böden einsetzen?

Bei extrem leichten, sandigen oder humusarmen Böden ist Vorsicht geboten, da es bei starken Niederschlägen nach der Anwendung zu einer Einwaschung des Wirkstoffs in die Wurzelzone der Kultur kommen kann. Dies kann zu vorübergehenden Phytotox-Symptomen (Aufhellungen) führen. Prüfe vorab die Bodenbeschaffenheit deiner Schläge und passe gegebenenfalls die Strategie an.

Wie verhält sich Lentipur 700 bei Frost oder sehr niedrigen Temperaturen?

Die Anwendung kann auch bei kühlen Temperaturen erfolgen, solange die Kulturen nicht durch starken Frost geschwächt sind. Vermeide Spritzungen unmittelbar vor Frostperioden oder wenn die Pflanzen unter Stress (z. B. durch Staunässe oder extreme Trockenheit) stehen, da dies die Verträglichkeit in den Kulturen beeinträchtigen kann.

Wie kann ich Lentipur 700 am besten in mein Resistenzmanagement gegen Acker-Fuchsschwanz integrieren?

Da Chlortoluron zur HRAC-Gruppe 5 gehört, eignet es sich hervorragend als Baustein, um Wirkstoffklassen wie ALS-Hemmer (Gruppe 2) oder ACCase-Hemmer (Gruppe 1) zu entlasten. Kombiniere Lentipur 700 im Herbst am besten mit Bodenpartnern aus anderen Wirkstoffgruppen (z. B. Flufenacet), um verschiedene Wirkmechanismen gleichzeitig auf den Acker-Fuchsschwanz wirken zu lassen.

Was muss ich beim Nachbau von Folgekulturen nach dem Einsatz von Lentipur 700 beachten?

Nach dem regulären Einsatz von Lentipur 700 im Herbst und dem normalen Abbau des Wirkstoffs im Boden können im folgenden Frühjahr alle üblichen Kulturen nachgebaut werden. Sollte es zu einem vorzeitigen Umbruch der Kultur kommen, ist eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) ratsam, bevor empfindliche zweikeimblättrige Kulturen neu eingesät werden.