Latitude
Latitude ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur Saatgutbehandlung (Beizmittel), das eine herausragende Rolle im modernen Getreideanbau einnimmt. Als flüssiges Beizmittel (FS-Formulierung) schützt es junge Kulturen in einer kritischen Phase direkt nach der Keimung. Der Fokus liegt hierbei auf der Abwehr von bodenbürtigen Schaderregern, die das Wurzelsystem schwächen und zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führen können.
Durch die gezielte Applikation direkt auf das Saatgut wird der Wirkstoff genau dort platziert, wo der Schutz am dringendsten benötigt wird: in der unmittelbaren Rhizosphäre der auflaufenden Kultur. Dies macht Latitude zu einem unverzichtbaren Baustein in Fruchtfolgen mit hohem Getreideanteil, bei denen das Risiko für bodenbürtige Krankheiten besonders hoch ist.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Latitude enthaltene Wirkstoff Silthiofam gehört zu einer einzigartigen chemischen Klasse und zeichnet sich durch einen hochspezifischen Wirkungsmechanismus aus. Silthiofam blockiert gezielt die ATP-Citrat-Lyase, ein Schlüsselenzym im Lipidstoffwechsel des Schadpilzes. Ohne diese enzymatische Aktivität kann der Erreger keine essenziellen Membranlipide synthetisieren, was das Wachstum der Pilzhyphen im Boden und das Eindringen in die Wurzeln der Kultur effektiv unterbindet. Nach der Aussaat bildet sich um das keimende Korn und die jungen Wurzeln ein stabiler Schutzhof aus. Silthiofam besitzt eine optimale Mobilität im Boden: Es ist ausreichend wasserlöslich, um sich mit dem Wurzelwachstum in der Rhizosphäre zu verteilen, haftet jedoch stark genug an den Bodenpartikeln, um nicht in tiefere Schichten ausgewaschen zu werden. Dies sichert einen langanhaltenden Schutz während der gesamten sensiblen Phase der Bestandesetablierung.
Resistenzmanagement
Da Silthiofam einen sehr spezifischen Wirkungsmechanismus besitzt, ist ein vorausschauendes Resistenzmanagement unerlässlich. Um der Selektion resistenter Pilzstämme vorzubeugen, sollte Latitude stets im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzkonzepts eingesetzt werden. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge, der Anbau weniger anfälliger Sorten sowie die Kombination mit anderen Beizmitteln, die über unterschiedliche Wirkungsmechanismen (andere FRAC-Klassen) verfügen. Ein wiederholter, einseitiger Einsatz ohne Wirkstoffwechsel auf derselben Fläche sollte vermieden werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Als Saatgutbehandlungsmittel wird Latitude in der Regel in professionellen Beizanlagen appliziert. Es zeigt eine hervorragende physikalische und chemische Kompatibilität mit gängigen Standardbeizen (z. B. gegen Auflaufkrankheiten oder Flugbrand) sowie mit speziellen Haftmitteln (Polymers) und Farbstoffen. Bei der Herstellung von Beizmischungen ist auf eine gleichmäßige Wasserqualität und die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Mischreihenfolge zu achten. Vor der großflächigen Anwendung empfiehlt sich stets ein physikalischer Mischtest (Kübeltest), um eine einwandfreie Applikation und Staubfreiheit des behandelten Saatguts zu gewährleisten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Beizmittel und dem behandelten Saatgut steht der Anwenderschutz an erster Stelle. Das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen, Schutzanzug und Atemschutz bei Staubentwicklung, ist obligatorisch. Da es sich um eine Saatgutbehandlung handelt, ist das Risiko für Bienen und andere Bestäuber minimal, sofern das Saatgut vollständig in den Boden eingebracht wird. Um Abdrift von Beizstaub während der Aussaat zu verhindern, sollten moderne Sämaschinen mit Deflektortechnik eingesetzt werden. Verschüttetes Saatgut muss sofort tief in den Boden eingearbeitet oder entfernt werden, um Vögel und Kleinsäuger vor der Aufnahme zu schützen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| — | Allgemein | — | 0 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wie schützt Latitude die Kultur vor Schwarzbeinigkeit, wenn der Wirkstoff nicht systemisch in die Blätter transportiert wird?
Silthiofam wirkt lokal in der Rhizosphäre. Nach der Aussaat löst sich der Wirkstoff leicht im Bodenwasser und bildet einen schützenden Wirkstoffhof um die junge Wurzel. Er wandert mit dem Wurzelwachstum mit und verhindert, dass die Pilzhyphen aus dem Boden in das Wurzelgewebe eindringen. Ein Transport in die oberirdischen Pflanzenteile ist für diesen Schutz nicht erforderlich.
Wann ist das Risiko für Schwarzbeinigkeit besonders hoch und wann lohnt sich der Einsatz von Latitude?
Das Risiko ist besonders hoch bei engen Getreidefruchtfolgen (insbesondere Weizen nach Weizen oder Gerste nach Weizen), auf leichten, gut durchlüfteten Böden, bei milder, feuchter Witterung im Herbst und bei früher Aussaat. Wenn du diese Risikofaktoren auf deinen Flächen identifizierst, ist der Einsatz von Latitude eine wirtschaftlich sinnvolle Absicherung.
Kann ich mit Latitude behandeltes Saatgut mit anderen Beizmitteln kombinieren?
Ja, Latitude wird in der Praxis meist in Kombination mit einem klassischen Universalbeizmittel eingesetzt, um auch Auflaufkrankheiten wie Schneeschimmel oder Steinbrand abzudecken. Achte bei der Mischung in der Beizanlage auf die Herstellerangaben zur Kompatibilität und verwende gegebenenfalls ein geeignetes Haftmittel, um den Staubabrieb zu minimieren.
Welche Rolle spielt die Sätechnik beim Ausbringen von mit Latitude behandeltem Saatgut?
Eine präzise Sätechnik ist entscheidend. Das Saatgut muss vollständig mit Erde bedeckt sein, um Vögel und Nagetiere zu schützen. Zudem solltest du bei der Aussaat von gebeiztem Saatgut darauf achten, dass deine Sämaschine mit einer zertifizierten Vorrichtung zur Driftminderung (z. B. Deflektoren) ausgestattet ist, um den Austrag von Beizstaub in die Umwelt zu verhindern.
Wie lange bleibt der Schutz von Latitude nach der Aussaat im Boden aktiv?
Der Schutz erstreckt sich über die gesamte kritische Phase der Bestandesetablierung im Herbst und reicht bis weit in das Frühjahr hinein. Da Silthiofam eine hohe Stabilität im Boden aufweist und nur langsam abgebaut wird, schützt es die Kultur auch während feucht-warmer Perioden im Winter, in denen der Schadpilz aktiv sein kann.
Kann ich übrig gebliebenes, mit Latitude behandeltes Saatgut für das nächste Jahr lagern?
Ja, die Lagerung ist unter kühlen, trockenen und frostfreien Bedingungen in der Originalverpackung möglich. Du solltest jedoch vor der Aussaat im Folgejahr eine Keimfähigkeitsprüfung durchführen, da die Keimfähigkeit von gelagertem Saatgut unabhängig von der Beizung über die Zeit leicht abnehmen kann.