EVURE
EVURE ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung eines breiten Spektrums an saugenden und beißenden Schadinsekten in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Als flüssige Formulierung mit dem bewährten Wirkstoff tau-Fluvalinat bietet das Produkt eine hervorragende Kontakt- und Fraßwirkung. Es hat sich im Markt als verlässlicher Baustein etabliert, um wertvolle Kulturen wie Raps, Getreide, Leguminosen und Sonderkulturen vor ertragsminderndem Schädlingsbefall zu schützen.
Das Wirkungsspektrum umfasst bedeutende Schaderreger wie Rapsglanzkäfer, Kohlschotenmücken, verschiedene Blattlausarten (auch in ihrer Rolle als gefährliche Virusvektoren), Thripse sowie beißende Insekten und Weizengallmücken. Dank seiner Formulierung zeichnet sich EVURE durch eine schnelle Anfangswirkung (Knock-down-Effekt) und eine gute Dauerwirkung aus, was einen nachhaltigen Schutz der behandelten Bestände sichert.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in EVURE enthaltene Wirkstoff tau-Fluvalinat gehört zur chemischen Klasse der Pyrethroide und wird der IRAC-Gruppe 3A zugeordnet. Die biochemische Wirkung basiert auf der gezielten Beeinflussung des Nervensystems der Schaderreger. Konkret interagiert der Wirkstoff mit den spannungsabhängigen Natriumkanälen in den Nervenmembranen der Insekten. Er verzögert das Schließen dieser Kanäle nach der Erregungsleitung, was zu einem anhaltenden Einstrom von Natriumionen und somit zu einer langanhaltenden Depolarisation der Nervenzelle führt. Diese dauerhafte Übererregung äußert sich zunächst in unkontrollierten Muskelzuckungen und Koordinationsstörungen, gefolgt von einer schnellen Lähmung und dem anschließenden Absterben der Schadinsekten. Da der Wirkstoff sowohl über den direkten Kontakt als auch über die Nahrungsaufnahme (Fraß) aufgenommen wird, werden auch versteckt sitzende Schaderreger effektiv erfasst.
Resistenzmanagement
Um die langfristige Wirksamkeit von EVURE zu sichern und der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Resistenzmanagement unerlässlich. Da tau-Fluvalinat der IRAC-Gruppe 3A angehört, solltest du den wiederholten, alleinigen Einsatz dieses Wirkstoffs oder anderer Pyrethroide in derselben Saison vermeiden. Nutze stattdessen im Rahmen einer integrierten Pflanzenschutzstrategie den gezielten Wechsel (Rotation) mit Insektiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen. Zudem empfiehlt es sich, Behandlungen streng nach dem Erreichen der wirtschaftlichen Schadschwellen auszurichten, um den Selektionsdruck auf die Schaderregerpopulationen so gering wie möglich zu halten.
Mischbarkeit & Tankmischung
EVURE zeichnet sich durch eine gute physikalische und chemische Mischbarkeit mit vielen gängigen Fungiziden, Herbiziden und Blattdüngern aus. Bei der Herstellung von Tankmischungen solltest du stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab eine kleine Mischprobe (Kübeltest) auf physikalische Verträglichkeit durchführen. Achte auf eine ausreichende Wasserqualität und vermeide extrem hartes oder stark alkalisches Spritzwasser, da dies die Stabilität des Wirkstoffs beeinträchtigen kann. Die Zugabe von geeigneten Additiven kann die Benetzung der Kultur und die Wirkstoffaufnahme insbesondere bei schwer benetzbaren Blattoberflächen optimieren.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit EVURE ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, während der Anmischung und Anwendung obligatorisch. Zum Schutz von Nichtzielorganismen, insbesondere von Gewässerorganismen und Bodenlebewesen, müssen Abdriften auf angrenzende Flächen und Gewässer durch den Einsatz abdriftmindernder Technik strikt vermieden werden. Da keine spezifische Bienen-Einstufung vorliegt, solltest du zum Schutz von Bestäubern vorsorglich auf Anwendungen in blühende Kulturen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, verzichten oder diese Behandlungen in die späten Abendstunden verlegen, wenn der Bienenflug beendet ist.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Melone | Beißende Insekten, Blattläuse | 69–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Stangenbohne | Beißende Insekten, Blattläuse | 59–99 | 100 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Hülsengemüse | Beißende Insekten, Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Zuckererbse | Beißende Insekten, Blattläuse | 59–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Buschbohne | Beißende Insekten, Blattläuse | 59–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Erbse | Beißende Insekten, Blattläuse | 59–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Süßkartoffel | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) | Blattläuse als Virusvektoren | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbohne | Blattläuse | 20–79 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Weizen | Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Hülsengemüse | Beißende Insekten, Blattläuse | 10–18 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Rosenkohl | Rapsglanzkäfer, Beißende Insekten, Blattläuse | 19–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Brokkoli | Rapsglanzkäfer, Beißende Insekten, Blattläuse | 19–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Zuckerrübe | Blattläuse | 11–39 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Hafer | Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Thripse | 0–85 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Gerste | Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Meerrettich | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Weizen | Weizengallmücken | 51–65 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 30T |
| Blatt- und Stielgemüse | Beißende Insekten, Blattläuse | 10–18 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Chicoree | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Salat-Arten | Beißende Insekten, Blattläuse | 12–49 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Futtererbse | Blattläuse | 10–79 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Speiserüben (Stoppelrübe, Mairübe etc.) | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Erbse | Blattläuse | 10–79 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Roggen | Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Kopfkohl (Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl) | Rapsglanzkäfer | 41–99 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Futterrübe | Blattläuse | 11–39 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Möhre | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Raps | Kohlschotenmücke | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 56T |
| Schwarzwurzel | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Wurzel- und Knollengemüse | Beißende Insekten, Blattläuse | 10–18 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Knollensellerie | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Rettich | Beißende Insekten, Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Kohlrübe | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Topinambur | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Raps | Beißende Insekten | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 56T |
| Pastinak | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Radieschen | Beißende Insekten, Blattläuse | — | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 7T |
| Blumenkohl | Rapsglanzkäfer | 19–99 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) | Getreidehähnchen (Lema sp.) | 37–75 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 30T |
| Wurzelpetersilie | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
| Beten (Rote, Gelbe, Weiße Bete) | Beißende Insekten, Blattläuse | 41–99 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | 14T |
Häufige Fragen
Wie kannst du feststellen, ob der optimale Behandlungszeitpunkt gegen den Rapsglanzkäfer erreicht ist?
Nutze zur Ermittlung des optimalen Termins Gelbschalen oder klopfe die Knospen der Haupttriebe ab, um die Anzahl der Käfer pro Pflanze zu bestimmen. Eine Behandlung mit EVURE ist dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn die regionalen Schadschwellen (je nach BBCH-Stadium und Vitalität der Kultur meist zwischen 3 und 8 Käfern pro Haupttrieb) überschritten sind.
Warum ist die Bekämpfung von Blattläusen im Herbst in Getreide so wichtig und wie hilft EVURE dabei?
Blattläuse übertragen das gefährliche Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV), das zu massiven Ertragseinbußen führen kann. Indem du EVURE bei Erreichen der Schadschwelle im frühen BBCH-Stadium der Kultur einsetzt, stoppst du die Vektoren schnell und verhinderst so eine großflächige Virusausbreitung im Bestand.
Was musst du bei der Anwendung von EVURE in Mischung mit Bor-Düngern beachten?
Bor-Dünger können den pH-Wert der Spritzbrühe stark in den alkalischen Bereich verschieben, was zu einem schnelleren Abbau von tau-Fluvalinat führen kann. Verwende in solchen Fällen einen geeigneten pH-Puffer oder Säureregulator, um den pH-Wert der Spritzbrühe im leicht sauren bis neutralen Bereich (pH 5,5 bis 6,5) zu stabilisieren.
Wie verhält sich EVURE bei kühlen Temperaturen im zeitigen Frühjahr?
Im Gegensatz zu einigen anderen Pyrethroiden zeigt der Wirkstoff tau-Fluvalinat auch bei wechselhaften und kühleren Temperaturen im Frühjahr eine stabile und verlässliche Wirkung. Das ermöglicht dir einen flexiblen und frühen Einsatz, sobald die ersten Schaderreger wie der Rapsglanzkäfer aktiv werden.
Wie kannst du im Online-Portal nach weiteren zugelassenen Produkten für deine spezifische Kultur suchen?
Nutze einfach die Such- und Filterfunktion auf agronomy.farmable.tech. Filtere dort nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Winterraps oder Winterweizen) und dem Ziel-Schaderreger, um eine vollständige Liste aller in Deutschland registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Anwendungsbestimmungen anzuzeigen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium der Kultur bei der Festlegung der Wartezeit?
Die Wartezeit (in Tagen) ist gesetzlich festgeschrieben und muss bis zur Ernte zwingend eingehalten werden. Achte darauf, dass späte Behandlungen in hohen BBCH-Stadien (z. B. während der Abreife) nur dann durchgeführt werden, wenn das Zeitfenster bis zum voraussichtlichen Erntetermin die vorgeschriebene Wartezeit der jeweiligen Anwendung nicht unterschreitet.