ERCOLE
ERCOLE ist ein spezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von bodenlebenden Schaderregern, insbesondere Drahtwürmern (Larven der Schnellkäfer), in empfindlichen Ackerkulturen wie Kartoffeln (SOLTU) und Mais (ZEAMX). Als Mikrogranulat formuliert, wird das Produkt direkt bei der Aussaat oder dem Legen der Kartoffeln im Band- oder Schlitzverfahren ausgebracht. Dies ermöglicht einen lückenlosen Schutz der jungen Keimlinge und Knollen direkt in der sensiblen Auflaufphase.
Durch die Formulierung als hochwertiges Granulat wird der Wirkstoff präzise in der unmittelbaren Umgebung des Saatguts bzw. der Pflanzkartoffel platziert. Dies minimiert Abdrift und sorgt dafür, dass die jungen Kulturen von Anfang an vor dem gefürchteten Lochfraß geschützt sind, der sonst zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen kann.
Dank der robusten Formulierung bietet ERCOLE eine verlässliche Barriere im Boden. Es schützt die Keimlinge und Knollen in den kritischen ersten Wochen der Etablierung, in denen die Kulturen besonders anfällig für den Befall durch bodenlebende Schädlinge sind.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin gehört zur chemischen Gruppe der Pyrethroide (IRAC-Gruppe 3A). Die Wirkung basiert auf einem präzisen biochemischen Mechanismus im Nervensystem der Schaderreger: Lambda-Cyhalothrin hält die spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenmembranen der Insekten offen. Dies verzögert deren Schließen und führt zu einer langanhaltenden Depolarisation der Membran. Die Folge dieser dauerhaften Kanalöffnung ist eine unkontrollierte Serie von Nervenimpulsen, die rasch zu Übererregung, Koordinationsverlust, Lähmung und schließlich zum Tod der Schädlinge führt. Da der Wirkstoff im Boden eine ausgeprägte Kontakt- und Fraßwirkung besitzt, bildet das Granulat eine effektive Schutzzone um das Pflanzgut, die von den Drahtwürmern nicht überwunden werden kann.
Resistenzmanagement
Um das Risiko einer Resistenzentwicklung gegen Pyrethroide (IRAC-Gruppe 3A) zu minimieren, solltest du ERCOLE strikt im Rahmen einer integrierten Pflanzenschutzstrategie einsetzen. Da es sich um eine Bodenanwendung zur Saat oder zum Legen handelt, ist ein direkter Wirkstoffwechsel bei eventuellen Folgebehandlungen gegen oberirdische Schädlinge im Laufe der Vegetation dringend zu empfehlen. Nutze für spätere Blattbehandlungen Wirkstoffe aus anderen IRAC-Klassen, um den Selektionsdruck auf die lokalen Populationen der Schnellkäfer und anderer Schadinsekten flach zu halten.
Mischbarkeit & Tankmischung
Da ERCOLE als Mikrogranulat formuliert ist und mit speziellen Granulatstreuern direkt bei der Aussaat oder dem Legen trocken im Boden appliziert wird, sind klassische Tankmischungen in der Spritzbrühe nicht relevant. Achte jedoch bei der kombinierten Ausbringung mit anderen Granulaten (wie beispielsweise Unterfußdüngern oder Mikrogranulaten zur Bodenverbesserung) auf eine exakte Kalibrierung der jeweiligen Dosiergeräte. Eine physische Vermischung im selben Streubehälter sollte nur dann erfolgen, wenn die physikalischen Eigenschaften der Granulate (Korngröße, spezifisches Gewicht) absolut homogen sind, um Entmischungen während der Fahrt zu vermeiden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Granulat und während der Befüllung der Streugeräte ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), insbesondere Schutzhandschuhe und Staubschutzmaske, zu tragen, um Hautkontakt und das Einatmen von Staubpartikeln zu vermeiden. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Datenblatt hinterlegt ist, gilt die allgemeine Vorsichtsregel: Vermeide jegliche Anwendung auf blühenden Beständen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind. Da der Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin hochtoxisch für aquatische Organismen ist, muss eine direkte Abschwemmung oder Winddrift in Oberflächengewässer strikt verhindert werden. Achte auf eine vollständige Einarbeitung des Granulats in den Boden, um auch Vögel und freilebende Wildtiere vor einer unbeabsichtigten Aufnahme zu schützen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Kartoffel | Schnellkäfer (Drahtwurm) | 0–99 | 15 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Mais | Schnellkäfer (Drahtwurm) | — | 15 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wie kontrollierst du am besten, ob ein Einsatz von ERCOLE auf deinen Flächen notwendig ist?
Ein effektives Monitoring gelingt dir im Vorfeld der Aussaat durch das Auslegen von Köderfallen (z. B. mit angekeimtem Getreide gefüllte Becher) im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr. Sobald die Bodentemperaturen über 8 °C steigen, werden die Drahtwürmer in den oberen Bodenschichten aktiv und lassen sich so leicht nachweisen, um die Notwendigkeit der Granulatbehandlung abzuschätzen.
Warum erfolgt die Anwendung von ERCOLE laut Zulassung im gesamten BBCH-Bereich, obwohl es ein Bodengranulat ist?
Die Zulassung deckt zwar formal den gesamten BBCH-Bereich ab, die praktische und einzig sinnvolle Anwendung liegt jedoch direkt bei der Aussaat oder dem Legen (BBCH 00). Nur zu diesem Zeitpunkt kann das Granulat über den Mikrogranulatstreuer der Sä- oder Legemaschine direkt in die Furche eingebracht und optimal im Boden platziert werden, um die jungen Wurzeln und Knollen zu schützen.
Was musst du bei der Einstellung deines Granulatstreuers für ERCOLE beachten?
Da die exakte Aufwandmenge von 15 kg/ha entscheidend für den Schutz und die Umweltverträglichkeit ist, musst du den Streuer vor Saisonbeginn unbedingt mit dem spezifischen Abdrehsack für dieses Produkt kalibrieren. Unterschiedliche Granulatformulierungen fließen je nach Luftfeuchtigkeit und Korngröße unterschiedlich schnell – verlasse dich daher nie blind auf Standardeinstellungen.
Hat die Bodenfeuchtigkeit einen Einfluss auf die Wirkung von ERCOLE?
Ja, eine gewisse Bodenfeuchtigkeit ist vorteilhaft, da sie die Aktivität der Drahtwürmer in der geschützten Bodenzone erhöht, wodurch sie schneller mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen. Bei extremer Trockenheit ziehen sich die Schädlinge oft in tiefere, feuchtere Bodenschichten zurück, was die direkte Trefferquote vorübergehend mindern kann.
Kannst du ERCOLE auch nachträglich ausbringen, wenn du bereits Drahtwurmschäden im stehenden Bestand feststellst?
Nein, eine nachträgliche Anwendung ist weder zulassungstechnisch zulässig noch fachlich sinnvoll. Das Granulat muss zwingend während des Sä- oder Legevorgangs direkt im Boden abgelegt werden. Eine oberflächliche Ausbringung im stehenden Bestand hat keine Wirkung auf die tief im Boden aktiven Larven und gefährdet zudem Vögel und Nützlinge.
Wie verhält sich ERCOLE im Hinblick auf die Wartezeit bis zur Ernte?
Da das Pflanzenschutzmittel ganz am Anfang der Kulturentwicklung im Boden abgelegt wird und sich der Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin im Boden stabil verhält, aber nicht systemisch von den Pflanzen in die Knollen oder Kolben transportiert wird, ist die Wartezeit durch die Anwendungsbedingungen abgedeckt. Es besteht kein Risiko von Rückständen in der späteren Ernte, sofern du dich an die registrierten Vorgaben hältst.