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Sonstige · ADAMA Deutschland GmbH

Custodia

BVL Zul.-Nr. 007537-00

Custodia ist ein leistungsstarkes, systemisches Kombinations-Fungizid von ADAMA, das speziell für den Schutz von hochwertigen Kulturen wie Weinreben und Raps entwickelt wurde. Durch die Kombination zweier bewährter Wirkstoffe bietet dieses Pflanzenschutzmittel sowohl vorbeugende als auch heilende Eigenschaften gegen wirtschaftlich bedeutende Pilzkrankheiten. Die flüssige Formulierung als Suspensionskonzentrat sorgt für eine hervorragende Benetzung der Pflanzenoberfläche und eine schnelle Aufnahme in das Pflanzengewebe.

Das Wirkungsspektrum deckt entscheidende Schaderreger ab, darunter den Echten Mehltau im Weinbau sowie die Weißstängeligkeit (Sclerotinia) im Raps. Dank der systemischen Verteilung im Saftstrom der Kultur werden auch Neuzuwächse nach der Applikation zuverlässig geschützt, was Custodia zu einem wichtigen Baustein im integrierten Pflanzenschutz macht.

Wirkstoffe

Azoxystrobin
120 g/L · Wirkstoff
Tebuconazol
200 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die herausragende Wirksamkeit von Custodia basiert auf dem synergistischen Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Wirkmechanismen. Der Wirkstoff Azoxystrobin gehört zur Gruppe der Strobilurine (FRAC-Gruppe 11). Er greift in die Zellatmung der Pilze ein, indem er den Elektronentransport in den Mitochondrien am Cytochrom-bc1-Komplex blockiert. Dies entzieht den Sporen und dem Myzel die lebensnotwendige Energie, wodurch die Sporenkeimung und das frühe Pilzwachstum effektiv unterbunden werden. Ergänzt wird dies durch Tebuconazol, einen Vertreter der Triazole (FRAC-Gruppe 3). Tebuconazol hemmt die Demethylierung in der Sterol-Biosynthese (DMI) der Pilzzellwand. Ohne Ergosterol verliert die Zellmembran des Schaderregers ihre Stabilität und Funktion, was zum Absterben des Myzels führt. Durch diese Kombination aus protektiver und kurativer Wirkung bietet das Pflanzenschutzmittel einen langanhaltenden und tiefenwirksamen Schutz.

Resistenzmanagement

Um das Risiko von Resistenzen gegenüber den Wirkstoffgruppen FRAC 11 und FRAC 3 zu minimieren, solltest du Custodia stets im Rahmen einer vorausschauenden Spritzfolge einsetzen. Vermeide aufeinanderfolgende Behandlungen mit Produkten derselben Wirkstoffklasse. Nutze stattdessen den gezielten Wechsel mit Fungiziden, die über andere Wirkmechanismen verfügen (z. B. Kontaktfungizide oder Wirkstoffe aus anderen FRAC-Gruppen). Die Einhaltung der empfohlenen Aufwandmengen und die Beschränkung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison sind essenziell, um die Selektion resistenter Schaderreger-Stämme zu verhindern.

Mischbarkeit & Tankmischung

Custodia zeichnet sich durch eine gute physikalische und biologische Mischbarkeit mit gängigen Insektiziden, Wachstumsreglern und Blattdüngern aus. Bei der Erstellung von Tankmischungen solltest du jedoch stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab eine kleine Mischprobe (Kübeltest) durchführen. Achte auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge und eine gleichmäßige Benetzung der Kultur. Die Anwendung sollte vorzugsweise in den kühleren Morgen- oder Abendstunden erfolgen, um die Wirkstoffaufnahme zu optimieren und das Risiko von Phytotoxizität bei starker Sonneneinstrahlung zu minimieren.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Handschuhen und Augenschutz, unerlässlich. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Datenblatt ausgewiesen ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern generell auf Anwendungen in blühende Bestände oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Trachtsuche sind, verzichten oder diese in die späten Abendstunden verlegen, wenn der Bienenflug beendet ist. Vermeide zudem jegliche Abdrift in angrenzende Gewässer oder Saumbiotope, um aquatische Organismen und die lokale Fauna zu schonen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeEchter Mehltau (Uncinula necator)14–810.175 LITER_PER_HECTARE35T
RapsWeißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum)61–651 LITER_PER_HECTARE—
WeinrebeEchter Mehltau (Uncinula necator)14–810.175 LITER_PER_HECTARE35T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Weißstängeligkeit im Raps?

Der kritische Infektionszeitraum für Sclerotinia sclerotiorum liegt während der Rapsblüte (BBCH 61 bis 65). Du solltest Custodia vorbeugend applizieren, sobald die ersten Blütenblätter abfallen, da die Pilzsporen diese als Nährboden nutzen, um in die Blattachseln einzudringen.

Wie unterstützt das Zusammenspiel der beiden Wirkstoffe die Kurativleistung?

Während Azoxystrobin vor allem die Sporenkeimung auf der Pflanzenoberfläche verhindert (protektiv), dringt Tebuconazol schnell in das Blattgewebe ein und stoppt bereits begonnenes Myzelwachstum im Inneren der Kultur (kurativ). Dadurch fängst du auch unbemerkt stattgefundene Infektionen erfolgreich ab.

Kann ich Custodia auch bei kühlen Temperaturen im Frühjahr einsetzen?

Ja, die systemische Verteilung funktioniert auch bei mäßigen Temperaturen. Für eine optimale Wirkung und schnelle Aufnahme durch die Kultur solltest du jedoch Tage mit aktivem Pflanzenwachstum wählen (Temperaturen stabil über 8–10 °C) und Frostperioden direkt nach der Spritzung vermeiden.

Warum ist die Einhaltung der Wartezeit von 35 Tagen so wichtig?

Die gesetzliche Wartezeit von 35 Tagen stellt sicher, dass die Wirkstoffrückstände in den geernteten Trauben oder Rapssamen weit unter den zulässigen Grenzwerten liegen. Plane deine letzte Anwendung daher präzise rückwärts vom voraussichtlichen Erntetermin.

Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel für meine Kulturen?

Du kannst in unserer Datenbank gezielt nach deiner Kultur (z. B. Weinrebe oder Raps) filtern und die Suche mit dem spezifischen Schaderreger kombinieren. So erhältst du eine vollständige Übersicht aller in Deutschland zugelassenen Alternativen für dein Resistenzmanagement.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Applikation im Weinbau?

Im Weinbau erstreckt sich das Zulassungsfenster von BBCH 14 (Viertes Laubblatt entfaltet) bis BBCH 81 (Beginn der Reife). Besonders in den sensiblen Phasen vor und nach der Blüte solltest du die Bestände engmaschig kontrollieren, um den Echten Mehltau frühzeitig vor dem Befall der Gescheine oder Beeren zu stoppen.