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CARPOVIRUSINE ULTRA

BVL Zul.-Nr. 00B113-00

CARPOVIRUSINE ULTRA ist ein hochspezifisches, biologisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Regulierung des Apfelwicklers (Cydia pomonella). Als flüssige Formulierung (Suspensionskonzentrat) basiert das Präparat auf dem Granulovirus-Isolat GV-R5. Dieses spezielle Isolat wurde selektiert, um auch Populationen des Schädlings zu erfassen, die bereits Resistenzen gegen klassische Granulovirus-Stämme entwickelt haben. Das Mittel ist sowohl für den ökologischen Landbau als auch für integrierte Anbausysteme im Kernobst- und Walnussanbau hervorragend geeignet.

Die Formulierung zeichnet sich durch eine hohe Haftfähigkeit und optimierten UV-Schutz aus, was die Wirkungsdauer auf der Schale der Früchte und Blätter verlängert. Da der Wirkstoff extrem selektiv ist, schont er wichtige Nützlinge wie Raubmilben, Florfliegen und Schlupfwespen vollständig. Dies macht CARPOVIRUSINE ULTRA zu einem unverzichtbaren Baustein im modernen, rückstandsfreien Pflanzenschutz.

Wirkstoffe

Cydia pomonella Granulovirus Isolat GV-R5
312.5 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Cydia pomonella Granulovirus Isolat GV-R5 gehört zur IRAC-Gruppe 31 (Viren). Die Wirkung beruht auf der oralen Aufnahme der Viruspartikel (Granula) durch die frisch geschlüpften Larven des Apfelwicklers (L1-Stadium), noch bevor sie sich in die Frucht einbohren. Nach dem Verzehr lösen sich die Proteinhüllen der Viren im stark alkalischen Milieu des Larvenmitteldarms auf. Die freigesetzten Virionen dringen in die Darmzellen ein, vermehren sich dort rasant und breiten sich im gesamten Körper der Larve aus. Dies führt innerhalb weniger Tage zu einem vollständigen Fraßstopp und dem sicheren Absterben des Schädlings. Da der Wirkstoff als reines Fraßgift wirkt, ist eine gründliche Benetzung aller Frucht- und Blattoberflächen für den Bekämpfungserfolg entscheidend.

Resistenzmanagement

Um der Entstehung von Resistenzen gegen das Granulovirus vorzubeugen, nutzt CARPOVIRUSINE ULTRA das Isolat GV-R5, welches die bekannte Resistenz gegen den klassischen mexikanischen Stamm (CpGV-M) bricht. Dennoch solltest du im Sinne eines nachhaltigen Resistenzmanagements dieses biologische Pflanzenschutzmittel im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen einsetzen. Hierzu bieten sich Wirkstoffe aus den IRAC-Gruppen 5 (Spinosyne), 28 (Diamide) oder der begleitende Einsatz von Verwirrungstechniken (Pheromonen) an, um den Selektionsdruck auf das Virus zu minimieren.

Mischbarkeit & Tankmischung

Bei der Herstellung von Tankmischungen ist besonders auf den pH-Wert der Spritzbrühe zu achten. Da sich die Proteinhülle des Virus im alkalischen Bereich auflöst, sollte der pH-Wert des Wassers im Tank idealerweise zwischen 5,0 und 7,5 liegen. Vermeide saure oder stark alkalische Mischungspartner wie kalkhaltige Blattdünger oder bestimmte Kupferpräparate, da diese die Stabilität der Viren beeinträchtigen können. Die Zugabe von zusätzlichen Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits optimierte Haft- und Schutzstoffe enthält.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Als biologisches Pflanzenschutzmittel weist CARPOVIRUSINE ULTRA ein hervorragendes Umweltprofil auf. Zum Schutz des Anwenders wird dennoch das Tragen der üblichen persönlichen Schutzausrüstung (Arbeitskleidung, Schutzhandschuhe) bei der Ausbringung und beim Ansetzen der Spritzbrühe empfohlen. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Zulassungsdokument ausgewiesen ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern die Anwendung vorzugsweise in den Abendstunden durchführen, wenn kein aktiver Bienenflug stattfindet. Vermeide zudem die direkte Abdrift in angrenzende Gewässer oder Saumstrukturen, um aquatische Organismen und die lokale Biodiversität zu schonen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
ApfelApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
Nashi-BirneApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
QuitteApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
BirneApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
WalnussApfelwickler1 LITER_PER_HECTARE1T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit CARPOVIRUSINE ULTRA?

Der optimale Behandlungsstart richtet sich nach dem Larvenschlupf der ersten Generation des Apfelwicklers. Nutze hierzu Prognosemodelle (wie RIMpro oder das Welte-Modell) und Pheromonfallen zur Flugüberwachung. Die Spritzung muss zwingend erfolgen, bevor sich die frisch geschlüpften L1-Larven in die Frucht einbohren, da das Virus als reines Fraßgift aufgenommen werden muss.

Wie beeinflusst die Witterung die Wirksamkeit des Granulovirus?

Da Granuloviren empfindlich gegenüber UV-Strahlung sind, solltest du die Anwendung bevorzugt in den späten Nachmittags- oder Abendstunden oder bei bedecktem Himmel durchführen. Dies gibt den Viren Zeit, sich auf der Kultur zu verteilen, bevor sie intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Nach starken Niederschlägen von über 20 mm empfiehlt sich eine Neuanspritzung, da der Belag abgewaschen werden kann.

Kann ich CARPOVIRUSINE ULTRA im Rahmen einer Strategie zur Rückstandsminimierung einsetzen?

Ja, absolut. Da es sich um ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis eines natürlichen Virus handelt, hinterlässt es keine chemisch-synthetischen Rückstände auf dem Erntegut. Mit einer Wartezeit von nur einem Tag eignet es sich perfekt für späte Anwendungen in der BBCH-Phase 81 bis 89 kurz vor der Ernte, um die Früchte bis zum Schluss vor spätem Befall zu schützen.

Warum ist das Isolat GV-R5 in diesem Produkt so wichtig?

In einigen europäischen Obstbaugebieten haben Apfelwickler-Populationen eine Resistenz gegen das klassische Granulovirus (CpGV-M) entwickelt. Das in CARPOVIRUSINE ULTRA enthaltene Isolat GV-R5 ist ein natürliches, selektiertes Isolat, das diese spezifische Resistenz überwindet und somit auch in betroffenen Anlagen wieder eine zuverlässige Wirkung zeigt.

Wie lagere ich CARPOVIRUSINE ULTRA am besten, um die Vitalität der Viren zu erhalten?

Da es sich um lebende biologische Strukturen handelt, ist die Lagerungstemperatur entscheidend. Lagere das Produkt kühl und trocken, idealerweise im Kühlschrank bei ca. 4 °C bis maximal 20 °C. Vermeide unbedingt Frost sowie Temperaturen über 25 °C über einen längeren Zeitraum, da dies die Haltbarkeit und Wirksamkeit des Virus drastisch reduzieren kann.