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CARPOVIRUSINE MAX

BVL Zul.-Nr. 00B112-00

CARPOVIRUSINE MAX ist ein hochselektives biologisches Pflanzenschutzmittel, das speziell für die gezielte Regulierung des Apfelwicklers (Cydia pomonella) entwickelt wurde. Als flüssiges Suspensionskonzentrat basiert das Produkt auf dem mexikanischen Isolat des Cydia pomonella Granulovirus (CpGV). Es ist für den Einsatz in wichtigen Kernobst- und Schalenobst-Kulturen wie Apfel, Birne, Quitte, Nashi und Walnuss zugelassen und fügt sich nahtlos in moderne Pflanzenschutzstrategien ein.

In der landwirtschaftlichen Praxis hat sich das Mittel als unverzichtbarer Baustein im integrierten sowie im kontrolliert biologischen Anbau etabliert. Da der Wirkstoff extrem spezifisch nur auf die Larven des Apfelwicklers wirkt, werden wichtige Nützlinge im Obstgarten wie Raubmilben, Florfliegen oder Schlupfwespen vollständig geschont. Dies unterstützt das natürliche Gleichgewicht im Ökosystem und beugt Sekundärschädlingen vor.

Die Formulierung zeichnet sich durch eine hervorragende Haftung auf der Fruchtoberfläche und eine gute Regenbeständigkeit aus. Dies sichert eine langanhaltende Schutzwirkung während der kritischen Phasen der Fruchtentwicklung (BBCH 71–89), in denen die jungen Larven schlüpfen und versuchen, in die Früchte einzudringen.

Wirkstoffe

Cydia pomonella Granulovirus mexikanisches Isolat
312.5 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff von CARPOVIRUSINE MAX, das Cydia pomonella Granulovirus, wirkt ausschließlich als Fraßgift. Nach der Aufnahme der Viruspartikel (Okklusionskörper) durch die frisch geschlüpfte Larve – meist beim ersten Fraß an der Eischale oder der Fruchtoberfläche – löst sich die schützende Proteinhülle im stark alkalischen Milieu des Larvenmitteldarms auf. Die freigesetzten Virionen dringen in die Darmzellen ein, vermehren sich dort rasant und breiten sich im gesamten Körper der Larve aus. Dieser biologische Prozess führt innerhalb kürzester Zeit zu einem vollständigen Fraßstopp, sodass die Larve keine weiteren Schäden an der Kultur verursachen kann. Der Tod des Schädlings tritt wenige Tage später ein. Da es sich um ein natürliches Pathogen handelt, ist der Wirkmechanismus rein biologisch und unterscheidet sich grundlegend von chemisch-synthetischen Insektiziden, was das Risiko von Kreuzresistenzen minimiert.

Resistenzmanagement

Um der Entstehung von Resistenzen beim Apfelwickler effektiv vorzubeugen, solltest du CARPOVIRUSINE MAX stets in ein integriertes Gesamtkonzept einbinden. Obwohl das mexikanische Isolat auch gegen einige Populationen wirkt, die eine Resistenz gegen klassische Granuloviren zeigen, ist ein Wirkstoffwechsel dringend ratsam. Kombiniere die Anwendung mit der Verwirrungstechnik (Pheromonen) und wechsle in der Spritzfolge mit chemischen Wirkstoffklassen ab, die über andere Mechanismen verfügen, um den Selektionsdruck auf den Schaderreger dauerhaft niedrig zu halten.

Mischbarkeit & Tankmischung

Das Produkt ist mit den meisten gängigen Fungiziden und Blattdüngern im Obstbau mischbar. Da es sich jedoch um ein biologisches Präparat handelt, reagieren die Viruspartikel empfindlich auf extreme pH-Werte. Vermeide daher unbedingt Tankmischungen mit stark alkalischen Produkten wie Kupferpräparaten oder Schwefelkalk, da diese die Proteinhülle des Virus beschädigen und die Wirkung neutralisieren können. Der pH-Wert der Spritzbrühe sollte idealerweise im neutralen bis leicht sauren Bereich (pH 5 bis 7) liegen. Zudem empfiehlt es sich, die Spritzung in den Abendstunden oder bei bedecktem Himmel durchzuführen, um den UV-Abbau des Wirkstoffs direkt nach der Ausbringung zu minimieren.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Aufgrund seiner biologischen Natur weist CARPOVIRUSINE MAX ein hervorragendes Umweltprofil auf und schont die lokale Fauna. Zum Schutz des Anwenders wird dennoch das Tragen der standardmäßigen persönlichen Schutzausrüstung (Arbeitskleidung, Schutzhandschuhe) bei der Handhabung des Konzentrats empfohlen. Um den Eintrag in Oberflächengewässer zu vermeiden, sollte die Anwendung stets abdriftmindernd und unter Einhaltung der allgemeinen fachlichen Praxis erfolgen. Da Bienen und andere Bestäuber durch das hochspezifische Virus nicht gefährdet werden, ist der Einsatz auch während der Blütezeit der Kulturen oder bei Unterwuchs mit blühenden Unkräutern materialschonend und ökologisch verträglich, wobei Behandlungen zur Schonung der Insekten bevorzugt außerhalb des Hauptbienenflugs stattfinden sollten.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
QuitteApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
BirneApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
ApfelApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
WalnussApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
Nashi-BirneApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für deine erste Behandlung mit CARPOVIRUSINE MAX?

Der optimale Behandlungsstart liegt unmittelbar vor dem Schlüpfen der ersten Larven (Eischlupf) der jeweiligen Generation. Nutze hierfür lokale Prognosemodelle (wie RIMpro oder Welte-Tabelle) und Pheromonfallen, um den perfekten Zeitpunkt nach dem Hauptflug der Falter zu bestimmen.

Warum ist der Anwendungszeitraum auf die BBCH-Stadien 71 bis 89 begrenzt?

In diesem Zeitraum (Fruchtentwicklung bis Genussreife) findet die Eiablage und der Schlupf der Apfelwicklerlarven statt. Da das Virus von den frisch geschlüpften Larven aktiv aufgenommen werden muss, bevor sie sich in die Frucht einbohren, ist eine Behandlung außerhalb dieser Phasen biologisch nicht sinnvoll.

Wie kannst du die Wirkung des Granulovirus bei starker Sonneneinstrahlung sichern?

Da UV-Strahlung die Viren auf der Fruchtoberfläche abbaut, solltest du die Behandlung bevorzugt in den späten Nachmittags- oder Abendstunden durchführen. So können die Larven den Wirkstoff in der Nacht oder am frühen Morgen aufnehmen, bevor das Sonnenlicht die Wirksamkeit reduziert.

Was musst du beachten, wenn in deiner Region bereits Resistenzen gegen das Apfelwickler-Granulovirus bekannt sind?

CARPOVIRUSINE MAX basiert auf dem mexikanischen Isolat (CpGV-M), welches auch gegen bestimmte resistente Populationen des klassischen Isolats wirkt. Dennoch solltest du bei bekannten Resistenzen eine enge Abstimmung mit der lokalen Pflanzenschutzberatung suchen und das Mittel konsequent mit der Verwirrungstechnik oder anderen Wirkstoffklassen kombinieren.

Welchen Einfluss hat der pH-Wert der Spritzbrühe auf deinen Behandlungserfolg?

Ein extrem saurer oder alkalischer pH-Wert kann die schützende Proteinhülle des Virus zerstören und das Mittel unwirksam machen. Achte darauf, dass das verwendete Wasser und eventuelle Mischungspartner einen pH-Wert im neutralen Bereich (ca. 6,0 bis 7,5) aufweisen, und vermeide die direkte Mischung mit sauren Düngern oder alkalischen Kupferpräparaten.

Wie solltest du CARPOVIRUSINE MAX lagern, um die Vitalität der Viren zu erhalten?

Da es sich um ein biologisches Produkt mit lebenden viralen Erregern handelt, solltest du das Mittel kühl lagern. Bei einer Lagerung im Kühlschrank (ca. 4 °C) oder Tiefkühlschrank (-18 °C) bleibt die volle Wirksamkeit über mehrere Jahre erhalten. Vermeide unbedingt Temperaturen über 25 °C.