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Sonstige · Nufarm Deutschland GmbH

Carmina 640

BVL Zul.-Nr. 006284-00

Carmina 640 ist ein bewährtes, flüssiges Herbizid (Suspensionskonzentrat, SC) für den gezielten Einsatz im Herbst in wichtigen Wintergetreidekulturen wie Winterweichweizen, Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale. Durch die Kombination zweier komplementärer Wirkstoffe bietet dieses Pflanzenschutzmittel eine breite und zuverlässige Wirkung gegen wirtschaftlich bedeutende Schadgräser und einjährige zweikeimblättrige Unkräuter direkt zum Start der Vegetation.

Die Formulierung zeichnet sich durch eine hervorragende Boden- und Blattwirkung aus. Dies ermöglicht eine flexible Anwendung im frühen Nachauflauf der Kulturen, wenn die Unkräuter noch klein und besonders empfindlich sind. Dank der langanhaltenden Bodenwirkung werden auch später keimende Unkrautwellen zuverlässig unterdrückt, was den Kulturen einen ungestörten Start und eine optimale Bestandsentwicklung vor dem Winter sichert.

Wirkstoffe

Chlortoluron
600 g/L · Wirkstoff
Diflufenican
40 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die hohe Wirksamkeit von Carmina 640 basiert auf dem Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Wirkmechanismen. Der Wirkstoff Chlortoluron gehört zur HRAC-Gruppe 5 und blockiert den Elektronentransport im Photosystem II der Pflanzen, was zu einer Hemmung der Photosynthese und letztlich zum Absterben der Schadpflanzen führt. Die Aufnahme erfolgt primär über die Wurzeln, sekundär über die Blätter. Diflufenican ist der HRAC-Gruppe 12 zugeordnet. Es hemmt die Phytoen-Desaturase (PDS), ein Schlüsselenzym bei der Biosynthese von Carotinoiden. Ohne diese Schutzpigmente wird das Chlorophyll durch Sonnenlicht zerstört, was sich in den typischen Bleichsymptomen (Weißfärbung) an den Triebspitzen der Unkräuter äußert. Diflufenican bildet einen feinen Wirkstofffilm auf der Bodenoberfläche, den auflaufende Unkräuter beim Durchstoßen aufnehmen.

Resistenzmanagement

Um der Entstehung von Resistenzen, insbesondere bei Problemgräsern wie dem Acker-Fuchsschwanz oder dem Gemeinen Windhalm, aktiv vorzubeugen, solltest du Carmina 640 stets in ein integriertes Gesamtkonzept einbinden. Die Kombination aus Photosynthesehemmer (HRAC 5) und PDS-Inhibitor (HRAC 12) stellt bereits ein starkes Werkzeug im Antiresistenzmanagement dar. Ergänze diese Strategie durch den gezielten Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen im Frühjahr oder in der Fruchtfolge sowie durch pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine angepasste Bodenbearbeitung und weite Fruchtfolgen.

Mischbarkeit & Tankmischung

Carmina 640 ist im Allgemeinen gut mit anderen im Herbst zugelassenen Pflanzenschutzmitteln mischbar, beispielsweise mit speziellen Gräserpartnern oder Insektiziden zur Vektorenbekämpfung. Achte bei der Herstellung von Tankmischungen stets auf eine ausreichende Wassermenge und rühre die Spritzbrühe kontinuierlich. Um Unverträglichkeiten zu vermeiden, empfiehlt es sich, vorab eine kleine Mischprobe anzusetzen. Die Anwendung sollte auf feuchten Böden und bei moderaten Temperaturen erfolgen, um die Bodenwirkung optimal auszuschöpfen; extreme Trockenheit kann die Effizienz der Bodenkomponente mindern.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, obligatorisch. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse vorgegeben ist, gilt die allgemeine Vorsichtsmaßnahme: Vermeide Anwendungen auf blühenden Kulturen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, und verlege die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden. Zum Schutz von Gewässern und Nichtzielorganismen sind Abdriften auf angrenzende Flächen unbedingt zu vermeiden; nutze hierzu abdriftmindernde Düsentechnik und halte die lokalen Abstandsauflagen strikt ein.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WintertriticaleGemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–292.5 LITER_PER_HECTARE
WintergersteAcker-Fuchsschwanz10–293.5 LITER_PER_HECTARE
WintergersteGemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–292.5 LITER_PER_HECTARE
WinterroggenGemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–292.5 LITER_PER_HECTARE
WinterweichweizenAcker-Fuchsschwanz10–293.5 LITER_PER_HECTARE
WinterweichweizenGemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter10–292.5 LITER_PER_HECTARE
WintertriticaleAcker-Fuchsschwanz10–293.5 LITER_PER_HECTARE
WinterroggenAcker-Fuchsschwanz10–293.5 LITER_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Carmina 640 im Herbst?

Der beste Behandlungszeitraum liegt im frühen Nachauflauf der Kulturen (BBCH-Stadium 10 bis 29), idealerweise wenn die Unkräuter und Schadgräser gerade auflaufen und sich im Keimblatt- bis Laubblattstadium befinden. Zu diesem Zeitpunkt nutzen die Wirkstoffe sowohl die Bodenfeuchtigkeit als auch die direkte Blattaufnahme optimal aus.

Wie beeinflusst die Bodenfeuchtigkeit die Wirkung dieses Pflanzenschutzmittels?

Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit ist entscheidend für den Erfolg, da der Wirkstoff Diflufenican einen stabilen Film auf der Bodenoberfläche bilden muss und Chlortoluron primär über die Wurzeln aufgenommen wird. Bei extremer Trockenheit solltest du die Behandlung verschieben, bis Niederschläge angekündigt sind, um eine unzureichende Wirkung zu verhindern.

Kann ich Carmina 640 auf allen Weizensorten uneingeschränkt anwenden?

Nein, bei chlortoluronhaltigen Produkten gibt es sortenspezifische Verträglichkeiten, insbesondere beim Winterweichweizen. Du solltest vor der Anwendung unbedingt die aktuellen Sortenlisten prüfen oder dich bei deiner landwirtschaftlichen Beratung informieren, ob deine angebauten Sorten als chlortoluron-tolerant eingestuft sind.

Was muss ich beim Antiresistenzmanagement bezüglich Acker-Fuchsschwanz beachten?

Da der Acker-Fuchsschwanz in vielen Regionen bereits Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffklassen zeigt, solltest du Carmina 640 als Baustein nutzen und im Frühjahr oder in den Folgejahren Wirkstoffe mit anderen HRAC-Klassifizierungen einsetzen. Vermeide den wiederholten, alleinigen Einsatz von Photosynthesehemmern auf derselben Fläche.

Wie verhalte ich mich bei der Anwendung in der Nähe von Oberflächengewässern?

Um den Eintrag in Gewässer durch Abdrift oder Abschwemmung zu verhindern, musst du die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände und eventuelle Hangauflagen strikt einhalten. Verwende stets verlustmindernde Pflanzenschutzspritzen und passe den Spritzdruck sowie die Fahrgeschwindigkeit an die Windverhältnisse an.