Botector
Botector ist ein hochwirksames, biologisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von Grauschimmel (Botrytis cinerea) in verschiedenen Kulturen wie Weinreben, Erdbeeren und Beerenobst. Das Produkt basiert auf zwei spezifischen Stämmen des natürlichen Hefepilzes Aureobasidium pullulans (DSM 14940 und DSM 14941), die als wasserdispergierbares Granulat formuliert sind. Durch diesen biologischen Ansatz bietet Botector eine rückstandsfreie und umweltschonende Alternative zu klassischen chemisch-synthetischen Fungiziden, was es besonders wertvoll für den integrierten und ökologischen Anbau macht.
Die Anwendung von Botector erfolgt präventiv in den kritischen Infektionsphasen der Kulturen. Da der Schaderreger Botrytis cinerea vor allem über Wunden und absterbendes Gewebe (wie Blütenreste) eindringt, besetzt der nützliche Hefepilz diese Eintrittspforten frühzeitig. Dank seiner hervorragenden Umweltverträglichkeit und einer Wartezeit von nur einem Tag lässt sich das Mittel flexibel bis kurz vor der Ernte einsetzen, um die Qualität des Ernteguts zu sichern.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die Wirkungsweise von Botector basiert auf dem Prinzip der kompetitiven Verdrängung (Konkurrenz um Raum und Nährstoffe). Nach der Ausbringung besiedeln die lebenden Hefezellen von Aureobasidium pullulans die Mikrorisse auf der Fruchtoberfläche sowie natürliche Wunden, die beispielsweise durch Wachstum oder mechanische Einflüsse entstehen. Da die Hefe extrem widerstandsfähig ist und sich schnell vermehrt, entzieht sie dem Schaderreger Botrytis cinerea die lebensnotwendigen Nährstoffe und den physischen Platz zur Keimung. Da es sich um einen rein physikalisch-biologischen Verdrängungsmechanismus handelt und keine biochemischen Toxine ausgeschieden werden, greift Botector nicht direkt in den Stoffwechsel des Pilzes ein. Dieser biologische Antagonismus verhindert effektiv, dass die Sporen von Botrytis keimen und in das Gewebe der Kultur eindringen können.
Resistenzmanagement
Aufgrund des rein kompetitiven Wirkungsmechanismus von Aureobasidium pullulans besteht für Botector kein Risiko einer Resistenzentwicklung seitens des Schaderregers. Das Pflanzenschutzmittel eignet sich daher hervorragend als Baustein im Antiresistenzmanagement. Du kannst Botector optimal in Spritzfolgen mit chemisch-synthetischen Fungiziden integrieren, um deren Wirkstoffklassen zu entlasten und die Entstehung von Resistenzen gegenüber klassischen Wirkstoffen nachhaltig zu verzögern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Da Botector aus lebenden Mikroorganismen besteht, ist bei Tankmischungen besondere Vorsicht geboten. Die Mischbarkeit mit anderen Pflanzenschutzmitteln, insbesondere Fungiziden, ist stark eingeschränkt, da diese die Lebensfähigkeit der Hefezellen beeinträchtigen können. Achte darauf, Botector nicht mit kupfer- oder schwefelhaltigen Produkten sowie sauren oder stark alkalischen Mitteln in einer Tankmischung auszubringen. Zwischen der Anwendung von Botector und unverträglichen Fungiziden sollte ein zeitlicher Sicherheitsabstand von mehreren Tagen eingehalten werden, damit sich die Hefe erfolgreich auf der Kultur etablieren kann.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Botector solltest du die übliche persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen, einschließlich Schutzhandschuhen und Atemschutz bei der Staubentwicklung während des Anmischens, um das Einatmen von Sporen zu vermeiden. Da keine spezifische Bienengefährlichkeitsklasse vorliegt, empfiehlt es sich aus Vorsorgegründen, das Mittel nicht direkt auf aktiv fliegende Bienen auszubringen und Behandlungen vorzugsweise in den Abendstunden durchzuführen. Vermeide zudem jeglichen direkten Eintrag in Gewässer, um die aquatische Umwelt und bodenlebende Organismen wie Regenwürmer präventiv zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Weinrebe | Botrytis cinerea | 68–89 | 0.25 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Johannisbeerartiges Beerenobst | Botrytis cinerea | 51–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Erdbeere | Botrytis cinerea | 55–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Himbeerartiges Beerenobst | Botrytis cinerea | 51–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Erdbeere | Botrytis cinerea | 55–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Johannisbeerartiges Beerenobst | Botrytis cinerea | 51–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Himbeerartiges Beerenobst | Botrytis cinerea | 51–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit Botector im Weinbau?
Du solltest die erste Behandlung präventiv in den BBCH-Stadien der Blüte (ab BBCH 61 bis 69) durchführen. In dieser Phase lagern sich die Hefezellen auf den absterbenden Blütenkappen an und verhindern, dass sich Botrytis-Sporen dort etablieren und später in die Gescheine einwandern.
Kann ich Botector auch bei kühlen Temperaturen im Frühjahr einsetzen?
Ja, die enthaltenen Stämme von Aureobasidium pullulans sind sehr anpassungsfähig und wachsen bereits bei niedrigen Temperaturen ab etwa 5 °C. Du kannst das Pflanzenschutzmittel daher auch in kühleren, feuchten Perioden im Frühjahr zuverlässig einsetzen, wenn das Infektionsrisiko für den Schaderreger steigt.
Wie lange überleben die Hefezellen nach der Spritzung auf der Kultur?
Unter normalen Witterungsbedingungen können sich die Hefezellen mehrere Wochen auf der Fruchtoberfläche halten und vermehren. Bei starkem Neuzuwachs der Früchte oder nach intensiven Regenfällen solltest du die Behandlung jedoch wiederholen, um neu entstandene Risse und ungeschützte Oberflächen wieder zu besiedeln.
Was muss ich bei der Wassertemperatur und dem pH-Wert der Spritzbrühe beachten?
Verwende für die Spritzbrühe sauberes Wasser mit einem pH-Wert zwischen 5 und 8. Achte darauf, dass das Wasser nicht eiskalt ist, um den Hefezellen den Start zu erleichtern, und bringe die fertige Spritzbrühe innerhalb von 2 bis 4 Stunden aus, damit die Sporen nicht vorzeitig im Tank keimen.
Wie lagere ich Botector am besten, um die Vitalität der Mikroorganismen zu erhalten?
Da es sich um ein biologisches Produkt mit lebenden Organismen handelt, solltest du Botector kühl und trocken lagern. Bei einer Lagerung im Kühlschrank (ca. 4 bis 8 °C) bleibt das Produkt deutlich länger voll keimfähig als bei Raumtemperatur. Vermeide unbedingt direkte Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 20 °C bei der Lagerung.
Wie finde ich heraus, welche anderen Produkte ich mit Botector kombinieren kann?
Da Botector ein biologisches Produkt ist, stellen viele Hersteller Kompatibilitätslisten zur Verfügung. Du kannst auch direkt auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen biologischen Partnern suchen oder die aktuellen Empfehlungen des Herstellers prüfen, um Inaktivierungen der Hefe durch unverträgliche Mischungspartner zu vermeiden.