Azoxystar XL
Azoxystar XL ist ein hochwirksames, breit wirksames Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung einer Vielzahl von pilzlichen Schaderregern in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Als flüssiges Suspensionskonzentrat (SC) formuliert, lässt sich das Produkt leicht dosieren und gleichmäßig in der Spritzbrühe verteilen. Es zeichnet sich durch eine hervorragende systemische und translaminare Wirkung aus, die sowohl vorbeugenden Schutz als auch eine kurative Anfangswirkung gegen wichtige wirtschaftliche Krankheiten bietet.
Das Anwendungsspektrum von Azoxystar XL erstreckt sich über zahlreiche Kulturen wie Kartoffeln, Getreide (wie Gerste, Hafer und Roggen), Gemüse (darunter Zwiebeln, Kohl und Salat) sowie Sonderkulturen wie Erdbeeren und Spargel. Zu den Hauptzielorganismen gehören bedeutende Pilzkrankheiten wie Falscher und Echter Mehltau, Rostpilze, Dürrfleckenkrankheit (Alternaria) sowie verschiedene Blatt- und Fruchtfäulen. Dank dieser Vielseitigkeit ist das Mittel ein unverzichtbarer Baustein in modernen Pflanzenschutzstrategien.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Azoxystar XL enthaltene Wirkstoff Azoxystrobin gehört zur chemischen Klasse der Strobilurine und ist in die FRAC-Gruppe 11 (QoI-Inhibitoren) eingestuft. Der biochemische Wirkungsmechanismus basiert auf der Hemmung der Zellatmung der Pilze. Azoxystrobin blockiert den Elektronentransport in den Mitochondrien am Komplex III (Cytochrom-bc1-Komplex), wodurch die ATP-Synthese und somit die Energieversorgung des Schaderregers unterbrochen wird. Dies führt zu einem raschen Wachstumsstopp der Keimschläuche und Myzelien. Durch seine ausgeprägten translaminaren und systemischen Eigenschaften dringt der Wirkstoff nach der Anwendung in das Blattgewebe ein und verteilt sich gleichmäßig in der Kultur. Dies gewährleistet einen langanhaltenden Schutz auch für neu zuwachsende Pflanzenteile und schützt die Unterseiten der Blätter zuverlässig vor einer Infektion.
Resistenzmanagement
Da Azoxystrobin als QoI-Fungizid ein hohes inhärentes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen aufweist, ist ein konsequentes Antiresistenzmanagement zwingend erforderlich. Du solltest Azoxystar XL daher stets im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (wie Triazolen oder SDHI) einsetzen. Zudem wird empfohlen, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison gemäß den Zulassungsbestimmungen nicht zu überschreiten und das Produkt bevorzugt vorbeugend bei beginnendem Infektionsdruck zu spritzen, um den Selektionsdruck auf die Erregerpopulationen zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Azoxystar XL ist im Allgemeinen gut mit gängigen Pflanzenschutzmitteln, Blattdüngern und Wachstumsregulatoren mischbar. Bei der Erstellung von Tankmischungen solltest du jedoch stets vorab eine physikalische Mischprobe in einem kleinen Gefäß durchführen. Achte auf eine ausreichende Wasserqualität und vermeide extrem saures oder alkalisches Wasser, um die Stabilität des Wirkstoffs nicht zu gefährden. Die Zugabe von Netzmitteln oder Additiven kann die Benetzung und Wirkstoffaufnahme auf Kulturen mit starker Wachsschicht verbessern, sollte aber vorab auf Verträglichkeit geprüft werden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Azoxystar XL ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Handschuhen und Augenschutz, während der Anmischung und Ausbringung obligatorisch. Zum Schutz von Gewässerorganismen und der aquatischen Umwelt sind Abdriften auf angrenzende Oberflächengewässer strikt zu vermeiden; nutze hierfür verlustmindernde Düsentechnik. Zum Schutz von Bestäubern solltest du die Anwendung nicht in blühende Kulturen oder an Orten mit aktivem Bienenflug legen und Behandlungen bevorzugt in den späten Abendstunden durchführen, wenn der Bienenflug beendet ist.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Roggen | Schwarzbeinigkeit (Gaeumanomyces graminis) | 31–32 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Buschbohne | Falscher Mehltau (Peronospora viciae) | 60–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Erbse | Falscher Mehltau (Peronospora viciae) | 17–72 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Kartoffel | Colletotrichum coccodes | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Roggen | Braunrost (Puccinia recondita) | 30–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kartoffel | Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) | 51–85 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Knoblauch | Falscher Mehltau (Peronospora destructor) | 14–48 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Blumenkohl | Mycosphaerella brassicicola, Kohlschwärze (Alternaria brassicicola), Weißer Rost (Albugo candida) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Speisezwiebel | Falscher Mehltau (Peronospora destructor) | 14–48 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Spargel | Laubkrankheit (Stemphylium botryosum), Spargelrost (Puccinia asparagi) | — | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Hafer | Haferkronenrost (Puccinia coronata) | 30–59 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Futtererbse | Brennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi) | 17–72 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Endivien | Falscher Mehltau (Bremia lactucae) | 14–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Grünkohl | Mycosphaerella brassicicola, Kohlschwärze (Alternaria brassicicola), Weißer Rost (Albugo candida) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Salate | Falscher Mehltau (Bremia lactucae) | 14–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Erbse | Brennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi) | 17–72 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Roggen | Rhynchosporium secalis | 30–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Erdbeeranthraknose (Colletotrichum acutatum), Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | 55–89 | 1 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Salate | Falscher Mehltau (Bremia lactucae) | 14–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Brokkoli | Mycosphaerella brassicicola, Kohlschwärze (Alternaria brassicicola), Weißer Rost (Albugo candida) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Schalotte | Falscher Mehltau (Peronospora destructor) | 14–48 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Ackerbohne | Ackerbohnenrost (Uromyces viciae-fabae) | 60–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Kopfkohl (Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl) | Mycosphaerella brassicicola, Kohlschwärze (Alternaria brassicicola), Weißer Rost (Albugo candida) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Erbse | Falscher Mehltau (Peronospora viciae) | 17–72 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Futtererbse | Falscher Mehltau (Peronospora viciae) | 17–72 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Gerste | Schwarzbeinigkeit (Gaeumanomyces graminis) | 31–32 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Erdbeeranthraknose (Colletotrichum acutatum), Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | 55–89 | 1 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Lupine-Arten | Rostpilze | 60–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Gerste | Rhynchosporium secalis, Netzfleckenkrankheit (Pyrenophora teres), Zwergrost (Puccinia hordei) | 30–59 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Raps | Sclerotinia sclerotiorum | 60–65 | 1 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Dicke Bohne | Ackerbohnenrost (Uromyces viciae-fabae) | 60–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | 35T |
| Kartoffel | Rhizoctonia solani | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Raps | Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 71–99 | 1 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Weichweizen | Cladosporium-Arten, Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 61–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Porree | Phytophthora porri, Purpurfleckenkrankheit (Alternaria porri), Porreerost (Puccinia porri) | 16–48 | 1 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Rosenkohl | Mycosphaerella brassicicola, Kohlschwärze (Alternaria brassicicola), Weißer Rost (Albugo candida) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Weichweizen | Schwarzbeinigkeit (Gaeumanomyces graminis) | 31–32 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weichweizen | Braunfleckigkeit (Septoria nodorum), Gelbrost (Puccinia striiformis), Braunrost (Puccinia recondita) | 30–69 | 1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erbse | Brennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi) | 17–72 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Möhre | Möhrenschwärze (Alternaria dauci), Echter Mehltau (Erysiphe betae) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Staudenkohl | Mycosphaerella brassicicola, Kohlschwärze (Alternaria brassicicola), Weißer Rost (Albugo candida) | 16–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Endivien | Falscher Mehltau (Bremia lactucae) | 14–49 | 1 LITER_PER_HECTARE | 14T |
Häufige Fragen
Wie bestimmst du den optimalen Zeitpunkt für eine Behandlung mit Azoxystar XL?
Der beste Zeitpunkt für deine Anwendung ist vorbeugend (präventiv), bevor die ersten sichtbaren Symptome des Schaderregers auf der Kultur auftreten. Achte auf die lokalen Warndienstmeldungen und die Wetterbedingungen, die Infektionen begünstigen, um den optimalen Behandlungsstart im zulässigen BBCH-Bereich zu wählen.
Wie wirkt sich Azoxystar XL auf den sogenannten Greening-Effekt aus?
Als Strobilurin-Fungizid beeinflusst Azoxystrobin die Physiologie der Kultur positiv. Es verzögert den Abbau von Chlorophyll, was zu einem verlängerten Grünbehalt (Greening-Effekt) führt. Dadurch kann die Kultur länger assimilieren, was sich besonders in Trockenperioden positiv auf die Ertragsbildung und die Korn- bzw. Knollenfüllung auswirken kann.
Was musst du bei der Anwendung in Kulturen mit starker Wachsschicht beachten?
Bei Kulturen wie Zwiebeln, Lauch oder Kohl besitzen die Blätter eine ausgeprägte Wachsschicht. Um eine optimale Benetzung und Haftung des Spritzfilms zu gewährleisten, kannst du ein zugelassenes Netzmittel hinzufügen. Achte darauf, die Spritzbrühe gleichmäßig zu verteilen, damit der Wirkstoff translaminar eindringen kann.
Warum solltest du bei Azoxystar XL unbedingt einen Wirkstoffwechsel durchführen?
Da Azoxystrobin einen spezifischen, monoseitigen Wirkungsmechanismus besitzt (FRAC-Gruppe 11), können Pilze relativ schnell Resistenzen entwickeln, wenn du das Pflanzenschutzmittel wiederholt solo einsetzt. Durch den Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen unterbrichst du diesen Selektionsprozess und sicherst die langfristige Wirksamkeit.
Wie verhält sich die Wartezeit bei den unterschiedlichen Kulturen?
Die Wartezeit (PHI) von Azoxystar XL variiert je nach Kultur stark und liegt zwischen 3 und 35 Tagen. Du musst vor der Anwendung unbedingt die spezifischen Vorgaben für deine jeweilige Kultur prüfen, um sicherzustellen, dass bis zur Ernte genügend Zeit verbleibt.
Solltest du Azoxystar XL bei starker Sonneneinstrahlung spritzen?
Nein, es wird empfohlen, die Anwendung in den kühleren Morgen- oder Abendstunden durchzuführen. Bei extremer Hitze und starker Sonneneinstrahlung können Spritzperlen auf den Blättern wie Brenngläser wirken und Schäden verursachen. Zudem verdunstet die Spritzbrühe zu schnell, was die Wirkstoffaufnahme beeinträchtigt.