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ACOIDAL WG

BVL Zul.-Nr. 007712-00

ACOIDAL WG ist ein bewährtes, wasserdispergierbares Granulat (WG) auf Basis von elementarem Schwefel (800 g/kg). Als klassisches Kontakt-Pflanzenschutzmittel ist es speziell für den Einsatz im Weinbau zur vorbeugenden Bekämpfung des Echten Mehltaus (Uncinula necator) formuliert. Durch seine hohe Formulierungsqulität bietet das Produkt eine hervorragende Schwebefähigkeit in der Spritzbrühe sowie eine gleichmäßige Verteilung und gute Haftung auf den behandelten Pflanzenteilen.

Neben der primären fungiziden Wirkung gegen Oidium besitzt Schwefel eine bekannte, nützliche Nebenwirkung gegen Schadmilben (wie Kräusel- und Pockenmilben). Dies macht ACOIDAL WG zu einem wertvollen Baustein sowohl im integrierten als auch im ökologischen Weinbau, um die Vitalität der Kulturen in kritischen Wachstumsphasen zu sichern.

Wirkstoffe

Schwefel
800 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Schwefel gehört zur FRAC-Gruppe M02 und zeichnet sich durch eine Multi-Site-Aktivität aus. Nach der Anwendung verdampft der Schwefel auf der Pflanzenoberfläche leicht; diese Gasphase ist entscheidend für die Wirkung. Der gasförmige Schwefel dringt in die Zellen des Schaderregers ein und fungiert dort als unphysiologischer Elektronenakzeptor, der die Atmungskette in den Mitochondrien stört, indem er in die Cytochrom-Vorgänge eingreift. Durch diese Blockade lebenswichtiger Stoffwechselprozesse wird die Sporenkeimung sowie das Wachstum des Pilzmyzels effektiv unterbunden. Da der Wirkstoff gleichzeitig an mehreren Stellen im Stoffwechsel des Pilzes ansetzt, ist die Wahrscheinlichkeit für die Selektion resistenter Biotypen äußerst gering.

Resistenzmanagement

Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC-Gruppe M02) besteht bei ACOIDAL WG kein praktisches Risiko für eine Resistenzentwicklung beim Echten Mehltau. Das Pflanzenschutzmittel eignet sich daher hervorragend als fester Partner in Spritzfolgen. Durch den gezielten Wechsel oder die Tankmischung mit systemischen Wirkstoffen, die nur an einem einzigen Ort im Pilz ansetzen (Single-Site-Fungizide), hilft der Einsatz von Schwefel aktiv dabei, deren Wirkstoffklassen vor einem vorzeitigen Wirkungsverlust durch Resistenzbildung zu schützen.

Mischbarkeit & Tankmischung

ACOIDAL WG ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden und Insektiziden im Weinbau mischbar. Es darf jedoch keinesfalls mit ölhaltigen Produkten oder kurz vor bzw. nach einer Ölbehandlung angewendet werden, da dies die schützende Wachsschicht der Blätter beschädigen und zu schweren Verbrennungen führen kann. Bei Mischungen mit Flüssigdüngern oder Netzmitteln wird empfohlen, vorab eine Verträglichkeitsprobe in einem kleinen Gefäß durchzuführen und die Spritzbrühe während des gesamten Misch- und Ausbringungsvorgangs kontinuierlich zu rühren.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Bei der Arbeit mit ACOIDAL WG ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu tragen, um Haut- und Augenkontakt mit dem Staub oder der Spritzbrühe zu vermeiden. Zum Schutz von Gewässern und Nichtzielorganismen sollte eine Abdrift auf angrenzende Flächen durch den Einsatz abdriftmindernder Technik minimiert werden. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse vorgegeben ist, gilt die allgemeine Vorsichtsregel: Behandle deine Kulturen nicht während des aktiven Bienenflugs und meide Anwendungen auf blühenden Unterkulturen oder Unkräutern. Eine Applikation in den kühleren Abendstunden schont die Bestäuber und mindert zudem das Risiko von hitzebedingten Pflanzenschäden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeEchter Mehltau (Uncinula necator)15–754 KILOGRAM_PER_HECTARE56T

Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Temperatur die Wirkung von ACOIDAL WG auf deinen Reben?

Schwefel wirkt maßgeblich über seine Dampfphase, die erst ab Temperaturen von etwa 15 °C ausreichend intensiv ist. Bei kühlerem Wetter ist die Wirkung daher verzögert. Steigen die Temperaturen jedoch über 28 °C an, drohen bei intensiver Sonneneinstrahlung Verbrennungen an Laub und Beeren. Behandle an heißen Tagen daher bevorzugt in den kühleren Morgen- oder Abendstunden.

Warum ist der Behandlungszeitraum von BBCH 15 bis 75 so wichtig?

Dieser Bereich deckt die empfindlichste Phase der Weinrebe ab – vom Gescheinsaufgang bis zum Stadium, in dem die Beeren Schrotkorngröße erreichen. Da der Echte Mehltau vor allem junges, wachsendes Gewebe infiziert, musst du in diesen Wochen einen lückenlosen Schutzbelag aufrechterhalten, um Ertragseinbußen und Qualitätsverluste der Trauben zu verhindern.

Kannst du ACOIDAL WG im ökologischen Weinbau einsetzen?

Ja, elementarer Schwefel ist ein natürlicher Wirkstoff und für den Einsatz im ökologischen Landbau zugelassen. Achte jedoch darauf, die spezifischen Vorgaben und jährlichen Mengenbegrenzungen deines jeweiligen Bio-Anbauverbandes einzuhalten.

Was musst du bei der Kombination mit Netzmitteln oder Blattdüngern beachten?

ACOIDAL WG ist gut mischbar, aber Vorsicht ist bei extrem sauren Mischungspartnern geboten. Vermeide unbedingt die gleichzeitige Ausbringung von Ölen (z. B. Paraffinöl), da dies die Schuppenschicht der Blätter angreift und zu starker Phytotoxizität führen kann. Zwischen einer Schwefel- und einer Ölbehandlung sollte stets ein Sicherheitsabstand von mindestens zwei Wochen liegen.

Wie verhält sich das Mittel bei plötzlichem Regen nach der Anwendung?

Schwefelbeläge besitzen eine mäßige Regenfestigkeit. Bei Niederschlägen ab etwa 15 bis 20 mm wird der Schutzfilm teilweise abgewaschen. Sollte es kurz nach dem Antrocknen der Spritzbrühe stark regnen, musst du die Spritzabstände verkürzen und die Behandlung vorziehen, um den Schutz vor Oidium lückenlos aufrechtzuerhalten.

Wie hilft dir ACOIDAL WG beim Antiresistenzmanagement im Weinberg?

Da Schwefel als Multi-Site-Fungizid (FRAC M02) an verschiedenen Stellen im Stoffwechsel des Pilzes gleichzeitig angreift, können Erreger keine einfachen Resistenzen entwickeln. Wenn du ACOIDAL WG regelmäßig als Mischungspartner oder im Wechsel mit organischen, systemischen Fungiziden einsetzt, schützt du diese gefährdeten Wirkstoffklassen aktiv vor einer Resistenzbildung.